Können die Falcons Colin Kaepernick stoppen?

Wenn mir am Anfang der Saison jemand gesagt hätte, ich würde im Januar eine Preview für das NFC-Championship-Spiel schreiben, die “Wie können die Falcons Colin Kaepernick stoppen?” heissen würde, hätte ich ihn geschätzte vier Tage lang ausgelacht. Aber gerade weil es immer anders kommt als man denkt, ist die NFL so interessant.

Letzte Woche gegen die Packers war “CK One” nicht zu stoppen. Er hatte einen guten Tag durch die Luft (263 Yards, 2 TD, 1 INT). Was ihn aber zum Albtraum für Dom Capers Defense machte, war seine Performance, wenn er die Beine in die Hand nahm und selber lief. Er sprintete sich zu 181 Yards und zwei Touchdowns auf dem Boden und sackte damit so ganz nebenbei noch den Postseason-Single-Game-Rushing-Rekord für einen Quarterback ein. Ganz schön viele Wörter sind das, merke ich grade.

Gegen den Passer Colin Kaepernick kann Atlanta wahrscheinlich gewinnen am Sonntag. Wenn sie aber auch noch gegen den Runner Colin Kaepernick antreten müssen, wird es eng für die Dirty Birds. Im Folgenden will ich nun analysieren, was die Falcons gegen Kaep tun, und was sie lieber lassen sollten wenn sie an einem Trip nach New Orleans Anfang Februar interessiert sein sollten.

1) Manndeckung vermeiden!

Kaeps größte Waffe ist sein unglaublicher Speed auf dem Feld. Dabei ist er kein Running-Quarterback im eigentlichen Sinne, die 49ers callen nicht besonders viele geplante Quarterback-Runs für ihn. Vielmehr entscheidet er sich bei einem regulären Pass oft dazu, selbst zu laufen, wenn er eine Gelegenheit dazu sieht. Und genau diese Gelegenheiten muss Atlanta ihm am Sonntag nehmen. Im Folgenden zeige ich euch mal ein paar Coaches Tape-Screenshots der größten Kaepernick-Runs aus dem Spiel gegen die Packers. Ich habe jeweils in dem Moment auf Stop gedrückt, in dem Kaepernick (jeweils gelber Kreis) sich entschied, loszulaufen.

openfield1

openfield2

openfield3

Was ist die große Gemeinsamkeit bei allen drei Plays? Kaepernick hat durch die defensive Manndeckung nichts als grüne Wiese vor sich, er muss nur ein Loch in seiner exzellenten O-Line finden und hat ein garantiertes First Down und meistens noch eine ganze Stange mehr. Wie verhindert man sowas?

Die erste Antwort ist: Ein Spy. Ein Spy ist ein defensiver Spieler, typischerweise ein Linebacker, der sich nur um einen bestimmten Spieler (in diesem Fall Kaepernick) kümmert und dafür sorgt, dass dieser nicht aus der Pocket flüchtet.  Er würde typischerweise circa 4-5 Yards hinter der Defensive Line stehen und seine Aufmerksamkeit NUR auf Kaepernick richten, egal was der Rest der Defense spielt. Dieses Vorgehen hat leider zwei Nachteile:

a) Der Coverage fehlt ein Mann. Besonders in Zone-Coverage macht diese Art zu covern die “Soft Spots”, also Übergänge zwischen verschiedenen Zonen, in die man werfen kann, größer und erleichtert es der Offensive zu passen.

b) Es ist ziemlich viel verlangt von einem Linebacker / Nickelback, den athletischen Kaepernick im offenen Feld zu tacklen. Öfter als  nicht wird Kaepernick den Spy schlagen und trotzdem für das First Down rennen.

Die zweite Antwort ist: Mehr Zonen-Verteidigung. Eine Zonenverteidigung zwingt die Verteidiger nicht, die offensiven Spieler auf Schritt und Tritt zu verfolgen, somit wird es unmöglich für die Offense, die Verteidiger mit langen vertikalen Routen von Kaepernick “wegzuziehen”, wie es in den obigen Beispielen praktiziert wurde. Aber auch hier gibt es Nachteile: Eine solche Verteidigung ist anfälliger für tiefe Pässe. Sollte man eine Cover-3 (drei tiefe Zonen) spielen, so könnte schon ein einfaches “Four-Verticals”-Play  (alle Receiver rennen geradeaus) in Kombination mit einem guten Wurf die Defense knacken.

Trotzdem würde ich an Mike Nolans Stelle eher die zweite Option bevorzugen. Klar, Kaepernick kann werfen. Aber wenn ich vor den beiden Optionen stehe, mich von Kaepernicks Beinen oder von Kaepernicks Arm schlagen zu lassen, dann kann ich mit letzterem deutlich besser leben.

2) Den Zone-Read verteidigen!

Kaepernick macht seine Lauf-Yards aber nicht nur auf improviserten Passspielzügen, es gibt durchaus designte Runs in der 49ers Offense. Einer davon ist der klassische Zone-Read, bei dem je nachdem wie die Defense ihn verteidigt entweder der Quarterback oder der Running Back mit dem Ball läuft. Ich will zunächst einmal kurz erklären, wie der Spielzug funktioniert, mit dem dieses Jahr ausser den 49ers noch die Seahawks, Panthers und Redskins ordentlichen Schaden angerichtet haben:
Das Schema habe ich mal mit Hilfe meiner göttlichen Paint-Skills so aufgemalt:
 Zone Read einfach
Das Konzept beim Zone Read ist folgendes: Die Offensive Line blockt jeweils die Zone rechts von sich (grün). Dabei wird der End (zumindest gegen eine Vier-Mann Front wie Atlanta/ rotes “E”) ungeblockt gelassen. Der Quarterback liest die Reaktion des Ends. Spielt der End “Contain” (kommt in einer Kurve von aussen, wie er es eigentlich tun sollte) gibt der Quarterback den Ball regulär dem Running Back (dieses Szenario ist durch die schwarzen Pfeile dargestellt). Das Play wird zu einem normalen Zone Run, an dessen Verteidigung sich der End allerdings nicht mehr beteiligen kann, er hat sich selbst aus dem Play genommen.

Schiesst der End aber direkt nach Innen um den Running Back zu stoppen, zieht der Quarterback den Ball zurück, behält ihn und läuft selbst durch das Loch, dass der nach Innen schiessende End hinterlassen hat (dieses Szenario wird von den roten Pfeilen dargestellt). Auch hier hat sich der End selbst aus dem Play genommen, er kann bei einem Zone Read nichts richtig machen.

Die Niners verwenden zwar nicht viel Zone-Blocking, das Konzept an sich bleibt aber das gleiche. Ein End bleibt ungeblockt, er wird gelesen und der Rest bleibt gleich. Unten seht ihr einmal den Spielzug im Einsatz gegen die Packers:

ninersread
Kaepernick hält den Ball in Gores Arme, zieht ihn aber wieder heraus, weil Dezman Moses das Play nicht “containt”, also aussen dicht macht. Und ab geht es über die rechte Seite.

ninersread2
Das dies die richtige Entscheidung war zeigt sich am obigen Screenshot. Durch sein Stillstehen hat Moses einen schlechten Winkel auf Kaep, den Rest erledigt dessen Geschwindigkeit.

Zwischenfazit: Die Falcons MÜSSEN diesen grundlegenden Spielzug der Niners stoppen, um eine Chance zu haben. Sie müssen das kleinere Übel wählen und Kaep mit dem End containen und hoffen, dass einer der anderen zehn Spieler ein Play gegen Gore macht.  Sie könnten es auch ab und an mit dem “Scrape Exchange” versuchen, den Chris Brown von Smart Football hier bereits vorgestellt hat. Eine gute Mischung aus “normalem” Contain und Scrape Exchange klingt zumindest auf dem Papier wie eine vielversprechende Mischung, um diese Reads zu stoppen.

Jetzt kommt aber das große Problem: Die Niners spielen nicht nur ein Read-Play aus ihrer inzwischen gefürchteten Pistol-Formation, sondern auch einen Haufen Variationen, unter anderem ein paar waschechte Sauereien. Dieser Spielzug zum Beispiel, der gegen die Packers in einem 56-Yard Touchdown-Lauf resultierte:

sauerei2
Auf den ersten Blick sieht es aus wie das normale Read-Play, erneut wird der End gelesen. Allerdings bringen die Niners hier mit Delanie Walker noch einen Blocker hinzu, der den containenden Spieler (der endlich einmal alles richtig gemacht hat) blockt. Wie auf dem Screenshot unten aus der Sideline-Perspektive zu sehen ist, ist der Kickout-Block von Walker das entscheidende Element, das hier aus einem 0/1/2 Yard-Gewinn einen Touchdown macht.

sauerei1
Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie Mike Nolan und die Niners-Defense gegen kreative Plays wie dieses verteidigen werden/können/sollten. Blitze könnten definitiv helfen. Allerdings zwingen einen massive Blitze oft zur Manndeckung, die wie ich bereits oben erwähnt habe gegen Kaepernick auch nicht gerade das gelbe vom Ei ist.
Es sieht ganz so aus als hiesse es am Sonntag für die Falcons “Pick your Poison”.

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15 Antworten zu “Können die Falcons Colin Kaepernick stoppen?

  1. Sorry, hab McCarthy schon vor der Saison abgesagt, ist einfach zu viel Arbeit neben dem Studium. Außerdem ist mein Schwerpunkt eher die Offensive. Ganz nebenbei hätt ich auch noch Angst, dass Raji mich aufessen will. ;)

  2. Deine Paint-Skills sind … unglaublich gut *räusper*
    Das Entscheidende bei dem letzten Play war letztendlich nicht der Block des Contain-Guys. Der End wurde Inside-Out geblockt, d.h. ihm wurde der Weg in die Mitte verwehrt. Das Ganze ist erstmal nicht schlimm, wie man auf dem Screenshot sehen kann ist da noch ein LB der genau auf das Loch blitzt, von dem der End abgehalten wird. Was der Defense aber das Genick bricht, ist, dass sich der Contain-Guy über Außen schlagen lässt und Kaepernick an ihm vorbei zieht. Die Defense stand gold-richtig, genau so kannst du das Play stoppen – wenn nicht so ein großer individueller Fehler hinzukommt. Hätte der End sein Contain gehalten, wäre der Spielzug wahrscheinlich sogar ein Play for Loss gewesen.

  3. Vielleicht reden wir ja aneinander vorbei, aber genau das hab ich ja geschrieben, dass der contain-man eigentlich in ner guten position ist… Sehe es aber nicht als nen individuellen fehler. Der kickout macht es ihm aber unmöglich das contain zu halten. Den Kickout zu shedden und kaep zu tacklen in so viel raum, das macht ein LB vielleicht ein von zwanzig mal… Oder wie siehst du das?

  4. Ein Kickout-Block verhindert nicht, dass ein End das Contain hält. Im Gegenteil, der End wird ja noch nach außen geschoben. In der Regel geht der Ballträger am Hintern des Kick-Out-Blockers Upfield. Hier hat der End aber krampfhaft versucht den Kickout zu verhindern und nach innen zugemacht, was aber schon vom Blitz abgedeckt wurde. Hätte er sich einfach aus dem Block rausgedreht und wäre auf sein Contain gegangen, hätte er den QB gehabt.
    Wenn du einen Spieler vom Contain abhalten willst, setzt du einen “Reach-Block”, d.h. du attackierst seine Außenschulter. Oder du cuttest ihn.

  5. Pingback: Preview NFC Championship Game – 49ers@Falcons | Sideline Reporter·

  6. Habe mir das Play eben nochmal angesehen, gebe dir Recht. Der Contain-Man macht den Fehler, er containt nur den RB und nicht Kaepernick und dieser schlägt ihn dann aussen.

    Hier nochmal das Play:

    http://hardcount.files.wordpress.com/2013/01/foto-18-01-13-15-40-09.jpg?w=714

    Nehmen wir mal an, der containman macht alles richtig und containt an der Stelle wo ich das gelbe Kreuz gemacht habe, das Play… Ist dann nicht genug platz für kaep entlang des roten pfeils zwischen den blocks zu laufen? ich denke fast, das könnte das selbe Ergebnis haben

    • Nehmen wir an, der FB (?) nimmt den Blitz richtig auf. Dann ist aber noch immer nicht so riesig viel Platz in den Löchern, Inside sind die Leute schneller wieder am Tackle als über die Outside und zudem kommt der Safety schon in Richtung Mitte geflogen, weshalb er ja auch auf der Outside geschlagen wurde.
      Letztendlich ist es bei jedem Run-Play so, egal welche Offense: Blocken 10 Offense-Spieler 10 Defense-Spieler, dann muss der QB nur noch den Safety schlagen.
      Du machst es dem QB aber natürlich einfacher, wenn er über außen viel Platz hat. Muss er durch Traffic laufen (inside), dann ist die Wahrscheinlichkeit größer dass er noch von jemand anderem erwischt wird.

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