It´s all about „clock-management!“

…oder: warum manche NFL Teams einen Madden-Spieler anstellen sollten.
Wie in kaum einer anderen Sportart spielt die Uhr bzw. die Fähigkeit diese als taktisches Mittel einzusetzen im Football eine herausragende Rolle. Unzählige Beispiele in der Geschichte der NFL beweisen, dass durch inkorrektes Clock-Management Spiele verloren werden und umgekehrt durch gutes, Spiele gewonnen werden. Ein genauerer Einblick in die Welt des Clock-Managements anhand konkreter Spielsituationen aus Woche 5.

Packers at Colts, Spielstand 27:22, die Colts haben den Ball an der gegnerischen 47 Yard-Linie und sehen sich einem Third Down mit noch 12 verbleibenden Yards konfrontiert. Quarterback Andrew Luck spielt einen kurzen Pass auf die rechte Spielfeldseite zu seinem Receiver Reggie Wayne. Erst nach 15 Yards wird dieser gestoppt. First Down Indianapolis! Ich juble innerlich, das Spiel bleibt spannend. Einen Augenblick später schlage ich die Hände vor’s Gesicht. Colts Interims-Headcoach Bruce Arians nimmt sein zweites Team-Timeout. Was die meisten Zuschauer nicht weiter stören dürfte, treibt mir die Taktik-Röte ins Gesicht.

Zur Erklärung: Auf der Gameclock stehen zu diesem Zeitpunkt noch eine Minute und 48 Sekunden. Durch Lucks Pass befindet sich der Ball an der gegnerischen 32 Yard-Linie.

Warum rege ich mich an dieser Stelle so über ein Timeout auf? Mit zwei verbleibenden Timeouts und einer Spielzeit unter zwei Minuten handelt es sich bei diesem Spielstand definitiv um den letzten Drive der Colts in diesem Spiel – das wissen auch die Coaches. Ziel ist a) ein Touchdown, ein Field-Goal bringt in dieser Situation nichts. Da man weiß, dass selbst durch ein acht-Punkte Spiel (TD plus 2-Point-Conversion) der eigene Vorsprung maximal auf drei Punkte anwachsen kann, müsste ein weiteres Ziel b) gib dem Gegner nicht noch einmal den Ball oder nur so, dass er damit nichts mehr anfangen kann, sein. Die Colts-Coaches wissen an dieser Stelle außerdem, dass c) die Packers noch zwei Timeouts haben und d) der Packers-Quarterback Aaron Rodgers heißt. Zusammenfassend müsste meine Devise als Coach also sein, zum Zeitpunkt des eigenen Touchdowns möglichst wenig Zeit auf der Uhr zu lassen. Natürlich ist das Optimum (das Spiel endet mit meinem Touchdown bzw. meinem PAT) selten zu erreichen, da es zu riskant wäre. Jedoch unterstelle ich, dass man mit zwei Timeouts und einem First Down an der gegnerischen 32 Yard-Linie genügend Möglichkeiten hat, die Uhr zu kontrollieren, beispielsweise in einem Bereich von 5-25 Sekunden zum Zeitpunkt meines eigenen Touchdowns.

Damit zurück zum Spiel bzw. meiner Kritik an dem Verhalten der Colts. An dieser Stelle hätten die Colts die Uhr laufen lassen müssen. Selbst wenn Andrew Luck die vollen 40 Sekunden der Play-Clock hätte verstreichen lassen um den nächsten Spielzug im Huddle anzukündigen, hätte er für den Rest des Spiels noch immer über eine Minute und zwei Timeouts zur Verfügung gehabt. Der weitere Verlauf des Spiels beweist, dass es für einen Quarterback mit der Qualität Andrew Lucks kein Problem darstellte den Drive auch ohne weitere Timeouts zu vollenden. Beim Touchdown Pass durch Luck von der Green Bay 4-Yard-Linie hätten die Colts auch ohne ein vorheriges Timeout noch ca. 20 Sekunden Zeit übrig gehabt. Dies hätte zwei Vorteile gehabt. Erstens hätte Aaron Rodgers nach erfolgreichem Touchdown deutlich weniger Zeit zur Verfügung gehabt und zweitens hätten die Colts mit einem noch verbleibenden Timeout auch die Option gehabt beispielsweise einen Run, ein Trick-Play usw… zu callen. Anschließend wäre nach dem dritten Timout immernoch die Möglichkeit geblieben, Andrew Luck den Ball drei Mal in die Endzone werfen zu lassen.

Viele werden jetzt sagen: „Aber die Colts haben doch gewonnen also alles richtig gemacht.“ Hier möchte ich entgegnen, dass dies keinesfalls der Verdienst des Colts-Clock-Managements, sondern vielmehr des zufälligerweise an diesem Tag schwachen Beines von Packers-Kicker Mason Crosby war. Aaron Rodgers schaffte es innerhalb von 35 Sekunden immerhin bis an die gegnerische 33 Yard-Linie.

Was die Colts in diesem Spiel falsch gemacht haben hätte wohl jeder gute Madden-Spieler besser gemacht. Auch Frank DuPont beschreibt in seinem Buch „Game Plan: A Radical approach to decision making in the National Football League“, dass diese Videospieler oftmals besser mit der Uhr umgehen können als ein NFL-Coach. Und das mit Recht: Ein Madden Spieler (der auch gewinnen will) beginnt bereits zu Beginn des vierten Quarters unermüdlich Zeit von der Uhr zu nehmen, wenn er mit mehr als einem Score in Führung liegt. Er weiß, dass das oberste Prinzip ist, den eigenen Vorsprung zu verteidigen, und dem Gegner möglichst selten den Ball zu geben.

Week 5 hält aber auch ein Beispiel für exzellentes Clock-Management bereit. Im Spiel der Seattle Seahawks gegen die Carolina Panthers führt Seattle mit 6 Punkten wobei die Uhr nur noch eine Minute und 5 Sekunden anzeigt. Die Panthers haben keine Timeouts mehr und die Seahawks müssen den Ball durch ein viertes Down an der eigenen 18 Yards Linie noch einmal abgeben. An dieser Stelle macht Seattle HC Pete Carroll alles richtig. Sein Punter puntet den Ball nicht Downfield sondern rennt mit diesem nach dem Snap in die eigene Endzone und schlussendlich hinten aus der Endzone. Der Safety bringt den Panthers zwei Punkte den Seahawks aber zwei entscheidende Vorteile. Durch den „Run“ des Punters und den anschließenden Free-Kick nehmen die Seahawks weitere 12 Sekunden von der Uhr. Des Weiteren wird der Free-Kick ohne Verteidigung und von der eigenen 20 Yards Linie durchgeführt, was dazu führte, dass der Ball bis zur 14-Yard-Linie der Panthers gekickt wurde, was durch einen Punt nahezu unmöglich gewesen wäre. Unter dem Strich brachte der Safety den Seahawks also 12 Sekunden und schätzungsweise 30 Yards Raumgewinn. Exzellentes Clock-Management würde ich sagen.

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2 Antworten zu “It´s all about „clock-management!“

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