Intentional Grounding – die Mutter aller Strafen

Sonntag, 05.02.2012, Cinemaxx Mannheim. Im größten Kinosaal zwischen Bodensee und Kurpfalz sitzen 1000 mehr oder weniger begeisterte Football-Fans um den 44. Superbowl zwischen den New England Patriots und den New York Giants zu verfolgen. Es noch keine sechs Minuten gespielt, da befinden sich die Patriots um Quarterback Tom Brady schon näher an ihrer eigenen Endzone als Boston an Foxborough.

Beim ersten Play der Patriots im Superbowl geschieht dann etwas, was im Football eher selten vorkommt. Tom Brady wirft nach seinem Dropback in die eigene Endzone einen unvollständigen Pass. Wem das noch nicht ungewöhnlich genug war der wurde durch die auf dem Boden liegende Flagge vollends verwirrt. Ungefähr 950 der 1000 Personen im Kino schauten etwas ungläubig drein als Referee John Parry gleichsam graziös und bestimmend beide Ärme parallel von links oben nach rechts unten am Körper vorbei bewegte. Während ich und der zweite Autor dieses Blogs laut kreischend „Intentional Grounding“ jubelten, freuten sich die Giants über zwei Punkte, während die Gesichtsausdrücke im Kino und auch bei den deutschen Kommentatoren Ratlosigkeit zeigten.

Zunächst einmal grundsätzlich: Jedes Foul gegen die Offensive, welches in deren eigener Endzone verübt wird, führt zu einem Safety und somit zu zwei Punkten für die gegnerische Mannschaft.

Im Spezielleren: Regel 8, Abschnitt 2, Artikel 1 des NFL Regelbuches beschreibt (frei übersetzt):
Intentional Grounding: „Es ist ein Foul, wenn der Passspieler einen Vorwärtspass wirft, ohne eine realistische Chance auf einen vollständigen Pass zu haben, um damit einen Raumverlust, der durch den Druck der Defensive erzeugt wurde, zu vermeiden. Eine realistische Chance auf einen vollständigen Pass ist gegeben, wenn der Ball in die Richtung und Umgebung eines legalen Passempfängers geworfen wurde.“

Die Regel selbst hat noch einige Einschränkungen: So ist es kein Intentional Grounding, wenn sich der Quarterback außerhalb der sogenannten Pocket (der Bereich zwischen den beiden Offensive-Tackles) befindet und er den Ball über die Line-of-Scrimmage wirft oder wenn er beim Pass physisch behindert wurde. Wird Intentional Grounding gepfiffen resultiert der Regelverstoß in einem „Loss-of-down“ (der Versuch ist futsch) und in einer 10 Yard Strafe vom vorherigen Snap-Punkt. (Ausnahme, falls das Foul mehr als 10 Yards vom vorherigen Punkt verübt wurde, dann geht es dort weiter.)

Zwei Dinge sind nun noch zu klären: 1. Warum ist diese Regel so wichtig, obwohl sie eher selten zum Einsatz kommt? Und 2. War der Call im Superbowl korrekt?

Intentional Grounding ist eine Faszination für sich. Die Strafe wird auch deshalb so selten gepfiffen, weil es enorm schwer ist zu erkennen, ob sich der Quarterback nun in, oder außerhalb der Pocket befindet oder wie weit der Receiver nun vom Ball entfernt war, beziehungsweise ob der Ball nun absichtlich (intentional) weggeworfen wurde oder eventuell eine Berührung eines Gegenspielers dazu führte. Es ist somit auch nicht verwunderlich, dass auch viele langjährige Football-Fans nicht mit dieser Regel vertraut sind. Nichtsdestoweniger wäre Football ohne Intentional Grounding ein völlig anderer Sport. Sacks wären eine Rarität, eine starke Defensive-Line (zumindest zum Pass-Rush) keine Notwendigkeit mehr. Jeder Quarterback könnte zu jeder Zeit den Ball ins Aus werfen, um beim nächsten Down (ohne Raumverlust) einen neuen Versuch zu haben. Das Passspiel wäre simpel – wenn niemand frei ist, werfe ich den Ball halt schnell ins Aus und nichts passiert. Dies wäre ein krasser Systembruch und würde die Attraktivität des Spiels massiv beeinflussen. Ich persönlich (als Fan guter Defensivarbeit) würde mir wünschen, dass Referees diese Strafe verstärkter einsetzten. Vielfach beobachtet man Spielsituationen, bei denen eine Flagge für Intentional Grounding durchaus angebracht wäre.

Abschließend muss noch erörtert werden, ob die Entscheidung im Superbowl korrekt war.? Kurzum: Sie war. Der Trubel um die Entscheidung, während und nach dem Spiel, sind für mich unverständlich. Wie im Video zu sehen hat Brady den Ball weggeworfen um dem Sack zu entgehen. Da kein Receiver in der Nähe war ist die Flagge die logische Konsequenz. Und jedes Foul in der Endzone führt schlussendlich zu einem Safety.

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2 Antworten zu “Intentional Grounding – die Mutter aller Strafen

  1. Spiking ist ja technisch gesehen ein incomplete pass. Ist da da der einzige unterschied zum intentional grounding das Mitspieler in der nähe sind?

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