Je oller, desto doller – Ed Reed

Ed Reed ist auch noch im hohen Alter von 34 Jahren einer der gefürchtetsten Safetys der NFL. Denkt man an Reed, so denkt man sofort an den Passverteidiger, den „Ball Hawk“, der Bälle nicht nur abfangen kann, sondern auch ganz genau weiss,  was mit der Pille zu tun ist, sobald sie sich in seinen Händen befindet.
In diesem Beitrag soll es allerdings um eine andere Qualität Reeds gehen, nämlich seine Fähigkeit, den Run zu stoppen. Im Spiel gegen die Cleveland Browns in Woche 9 bewies Reed eindrucksvoll, dass Linemen und Running Backs vor ihm genau so zittern sollten wie Quarterbacks.
Bei diesem Play aus dem zweiten Quarter gegen die Cleveland Browns vom vergangenen Wochenende haben die Browns einen Ersten Versuch und Neun in Baltimores Redzone. Sie schicken schweres Personal und nur einen Receiver aufs Feld und stellen sich in einer sehr engen Formation auf. Als Play haben sie einen Toss nach rechts gecallt. Center Alex Mack und Rookie Mitchell Schwartz werden als Pulling Linemen eingesetzt, um außen eine Gasse für RB Trent Richardson zu bilden (Blocking schema unten im Bild).
So weit so gut. Die Ravens sind in keiner guten Position, dieses Play zu verteidigen, es riecht nach Touchdown und Offensive Coordinator Brad Childress dopst wahrscheinlich vor Freude in der Coaches Box auf und ab, weil er diesen Look von der Ravens-Defense bekommt.
Childress und die Browns haben die Rechnung allerdings ohne den Wirt gemacht, und dieser Wirt heisst in dem Fall Ed Reed. Zu dem Zeitpunkt, zu dem Richardson den Ball zugepitcht bekommt und sich die Blocks noch entwickeln, befindet sich Reed schon in der Vorwärtsbewegung und steuert wie ein gut gecoachter Defender es tut, den Punkt an zu dem die Pulling Linemen rennen (Point of Attack). Bei diesem Play geht es allerdings nicht darum, dass Reed das tut, sondern WIE er es tut. Denn mit einem Safety, der Run-Support gibt, rechnen die Ravens. Sie rechnen allerdings nicht mit der menschlichen Kanonenkugel, in die Reed sich für dieses Play verwandelt.
Zu dem Zeitpunkt, den die beiden obigen Bilder beschreiben ist noch alles in Ordnung aus Browns-Seite. Schwartz wird Reed (den äußersten Defender) aufnehmen und somit die Außenseite des Plays (edge) für Richardson klären. Center Mack steht bereit den Nächsten zu blocken, der dem Play gefährlich werden könnte, was zu diesem Zeitpunkt allerdings schon fast unnötig scheint. Hier kommt Reeds Impact ins Spiel. Er schießt nur ein paar Zentimeter über der Grasnarbe durch Schwartz´Beine hindurch als wären sie aus Papier.
Wie oben zu sehen erwischt es den Lineman eiskalt und er wird von Reeds Momentum spirchwörtlich umgemäht (weisser Kreis oben). Allein die Verzögerung, die Reed mit dieser Aktion im Offense-Play bewirkt hat, verschafft anderen Ravens genug Zeit, sich von ihren Blocks zu lösen und die Außenseite dicht zu machen (rote Kreise unten). Aber weil Ed Reed eben Ed Reed ist trägt ihn sein Momentum nicht nur durch die Beine des Blockers, sondern er  erwischt auch noch Richardson gerade gut genug, dass dieser über ihn stolpert und auf den Boden fällt (gelber Kreis unten). Ergebnis: Null komma Null Yards Raumgewinn.

Insgesamt zeigt dieses Play einen oft verschwiegenen Aspekt in der heutigen NFL, in der Coaches zu ‚Genies‘ erklärt werden und Spielsysteme und Schemen wichtiger als die Spieler zu sein scheinen. Ed Reed zeigt hier bedeutungsvoll, dass großartige Spieler über die Xs & Os hinauswachsen können und Jahrzehnte von Taktikentwicklung und Spielzugplanung mit einem einzigen großartigen Play zunichte machen können. Auch noch mit 34 Jahren.

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2 Antworten zu “Je oller, desto doller – Ed Reed

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