Regel-Ecke #3

– mit aktuellem Beispiel aus Week 11 – 

An dieser Stelle möchte ich wöchentlich eine Regel aus dem NFL-Rulebook vorstellen und deren Relevanz kurz diskutieren. Bei der Auswahl der Regeln kommen keine besonderen Kriterien zur Anwendung. Die Regeln können enorm wichtig oder auch einfach trivial und allen bekannt sein.

Heute:  Pass Interference (PI) (Regel 8, Abschnitt 5)

Die Regel:

Wann immer „PI“ im Spiel ist, können sich Football-Fans meist kaum noch auf der Couch halten. Eine der grundlegendsten Regeln bzw. Regelüberschreitungen im American-Football-Sport treibt dem gemeinen Fan von Team A zu Jubelstürmen und demgegenüber den Fans von Team B zur Verzweiflung. Über kaum eine andere Regel und deren Auslegung wird so heftig gestritten unter anderem auch deshalb, weil diese Strafe durchaus spielentscheidend sein kann. Dadurch, dass es sich bei Defensiver-PI (DPI) um ein Spot-Foul handelt, sind Strafen von 40 Yards und mehr keine Seltenheit.

Das NFL-Regelbuch besagt:

Pass Interference (egal ob offensiv oder defensiv) ist jeder Akt eines Spielers mehr als ein Yard vor der Line-of-Scrimmage (LOS), der einen Gegenspieler signifikant darin behindert einen Pass zu fangen, der von hinter der LOS geworfen wurde, egal ob dieser Pass legal oder illegal ist.

DPI ist relevant von dem Moment an, indem der Ball geworfen wird, bis zur ersten Berührung des Balles, wohingegen Offensive-PI bereits ab dem Snap als Foul geahndet werden kann.

Artikel 2 listet einige verbotene Aktionen auf. Dazu zählen u.a.:
– Fassen des Arms eines Gegenspieler, sodass dieser am Fangen des Balles gehindert wird
– (Fest)halten, Stoßen, Abdrängen des Gegners während der Ball in der Luft ist.
– Kontakt eines Spielers, der nicht versucht den Ball zu fangen (in Realität meist Verteidiger, die während des gesamtes Passes mit dem Rücken zum Ball laufen und somit keine Chance auf einen „Catch“ haben)

Um zu verhindern, dass jeglicher Kontakt zwischen zwei Spielern, die um einen Pass „kämpfen“ zu einer PI führt beschreibt Abschnitt 3 einige Aktionen, die erlaubt sind. Dazu zählen u.a.:
– Zufälliger Kontakt, wenn zwei Spieler um einen Catch „kämpfen“ oder Kontakt, wenn keiner der Spieler zum Ball schaut.
– Kontakt, der normalerweise PI wäre, der Ball jedoch nicht fangbar (uncatchable) ist.
– Handkontakt an einem Gegenspieler, der diesen nicht daran hindert, den Ball zu fangen.
– De facto ist jedoch alles, was laut Regel nicht verboten ist, gleichzeitig keine PI (keine Strafe ohne Gesetz).

Hinzu kommt noch in Artikel 4, dass es PI gegen die Offensive ist, falls ein offensiver Spieler Downflied blockt, auch bevor der Ball geworfen wurde.

Strafe bei Missachtung:

gegen die Defensive: Automatischer erster Versuch am „Tatort (Spot of the Foul)“ für die Offensive. Falls in der Endzone, Erster Versuch und Goal an der 1 Yard Linie.

gegen die Offensive: 10 Yard Raumstrafe vom vorherigen Spot.

Warum die Regel relevant ist:

Die Regel strukturiert das komplette Passspiel des modernen Footballs. Seit Quarterbacks erfahren haben, dass man den Ball auch werfen kann, wird die NFL immer stärker zu einer Pass-Liga. Erweiterungen der PI-Regelungen würden unweigerlich dazu führen, dass noch mehr geworfen wird, da es für die Defensive immer schwerer wäre, einen Pass legal zu verteidigen. Abstriche an der Regel würden das Laufspiel stärken. Somit hat PI durchaus die „Macht“ das Spiel Football massiv zu beeinflussen. In den letzten Jahren ist m.E. eine Zunahme der PI-Flaggen zu verzeichnen, was für eine weitere Verstärkung auf das (besser zu vermarktende!) Passspiel spricht.

Beispiel aus Week 11:

Das PI a) enorm schwer zu callen ist und b) durchaus Spiele entscheiden kann, möchte ich anhand eines Beispiels aus Woche 11 verdeutlichen.

Wir befinden uns im Spiel der Green Bay Packers bei den Detroit Lions. Die Lions überraschend mit drei Punkten und haben einen dritten Versuch und Goal an Green Bays 9-Yard-Linie. Quarterback Matthew Stafford wirft einen Pass durch die Mitte in Richtung seines Receivers Titus Young, der von Casey Hayward verteidigt wird. (Leider steht mir heute noch kein Coaches-Tape zur Verfügung, sodass die Fernsehbilder herhalten müssen.

Die drei Bilder zeigen eigentlich eine „Textbook-PI.“ Hayward verstößt gleich gegen mehrere grundlegende Regeln. Zum einen behindert er deutlich den Laufweg Youngs (Bild 1) (was allerdings nicht entscheidend für die PI ist, da Young zu diesem Zeitpunkt ebenso wenig wie Hayward den Blick zum Ball hat). Zum anderen greift er mit seinen Armen deutlich sichtbar um Youngs Körper (Bild 1 und 2) und hindert ihn somit daran, den Ball zu fangen – Young kommt deshalb sogar zu Fall (Bild 3).

Diese relativ klare PI hätte, wenn sie den gepfiffen worden wäre, den Lions einen ersten Versuch und Goal an der 1 Yard Linie eingebracht und somit die Möglichkeit mit 10 Punkten in Führung zu gehen. In Realität verloren die Lions das Spiel noch mit 4 Punkten, da Aaron Rodgers seine Packers nach dem Lions Fieldgoal noch einmal übers Feld wandern lies.

Auch mein „Regel-Ziehpapa“ „Mike Pereira“ zeigte sein Unverständnis über diesen „No-Call“

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6 Antworten zu “Regel-Ecke #3

  1. Ausgleichende Gerechtigkeit für den „Touchdown“ der Seahawks 😉

    In realer Geschwindigkeit enorm schwer zu entscheiden finde ich.

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