‚Sudden Change‘-Situationen & Playcalling: Theorie

Ab und zu hört man den einen oder anderen der besseren NFL-Kommentatoren etwas von einer ‚Sudden Change‘-Situation erzählen. Vielen Fans ist dieses Konzept nur unterbewusst bekannt. In diesem Beitrag will ich erklären was damit genau gemeint ist und welchen Zusammenhang es zwischen ‚Sudden Change‘-Situationen und Playcalling gibt. Sobald das Coaches Tape von den Spielen dieses Wochenendes draussen ist, werde ich eine Spielzuganalyse aus dem Spiel Chargers @ Broncos nachliefern, die diese theoretischen Überlegungen an einem praktischen Beispiel erklärt.

Als ‚Sudden Change‘-Situationen bezeichnet man alle Situationen, die von der Norm eines regulären Spielablaufs abweichen. Sie gehören natürlich zum regulären Spielverlauf, sie vorherzusehen ist allerdings nicht möglich. Bei einem Punt rechnet man damit, dass der Returner den Ball fängt und vielleicht einen Return macht und dadurch das returnende Team in Ballbesitz kommt. Wird der Punt aber vom Returner gemufft (berührt, aber nicht gesichert) und das kickende Team sichert ihn, so hat entgegen den Erwartungen das andere Team den Ballbesitz,und zwar meistens in exzellenter Feldposition). Das wäre ein Beispiel für eine klassische ‚Sudden Change‘-Situation.

Weitere Beispiele sind Interceptions, geblockte Punts, gelungene Überraschungs-Onsidekicks und vom gegnerischen Team eroberte Fumbles. Der kritische Leser könnte mir jetzt vorwerfen einfach eine andere Bezeichnung für Turnover einzuführen. ‚Sudden Change‘-Situationen unterscheiden sich aber von einem ’normalen‘ Turnover durch ihre Relevanz im Spielverlauf. Das heisst: ein geblockter Punt bei Spielstand 17:17 an der eigenen 40-Yard-Linie ist eine ‚Sudden Change‘-Situation. Eine Interception an der eigenen 10 bei drittem Versuch und 30 bei Spielstand 52:10 ist einfach nur ein Turnover.

Ich würde auch noch eine zweite Kategorie von Ereignissen aufmachen, die ich mal umständlich als „‚Sudden Change‘-Situationen zweiter Klasse“ bezeichne: Erfolgreiche Fourth-Down-Conversions, Misslungene Fourth-Down-Conversions (beides inklusive Field Goal- und Puntfakes). Je nach Spielsituation können wir diese auch als ‚Sudden Change‘-Situationen bezeichnen. In den meisten Fällen handelt es sich aber tatsächlich um Ereignisse aus Kategorie 1.

Was hat nun eine solche Situation mit Playcalling zu tun? Ist es nicht einfach eine Offensiv-Serie wie jede andere, sobald man in Ballbesitz kommt? Ist nicht egal, wie man in Ballbesitz gekommen ist? NFL-Coaches sind anderer Meinung. Es hat sich nämlich etabliert, dass man nach einer ‚Sudden Change‘-Situation in vorsichtiges Playcalling verfällt. Gecallt werden vor allen Dingen Laufspielzüge und Screenpässe (hohe Wahrscheinlichkeit einer Completion). Das hat mit der Überlegung zu tun, dass man der Offense Gelegenheit geben möchte einen guten Start zu erwischen in einer Situation, in der sie nicht damit rechnete aufs Feld zu kommen.

Natürlich stellen sich auch Defenses auf dieses konservative Playcalling ein und rechnen an dieser Stelle mit den genannten Laufspielzügen und Screenpässen. Dies kann sich die Offense zu nutze machen, indem sie an dieser Stelle mit Personal und Formationen, mit denen sie eigentlich oben genannte konservative Spielzüge spielen, ein Shot-Play versuchen, also einen Versuch mithilfe des Überraschungseffekts in die Endzone zu kommen. Da die Defense vermehrt mit Screen oder Lauf rechnet, steht man vermehrt Acht-Mann-Fronten gegenüber (Ein Safety in der ‚Box‘), die die Defense gegenüber dem Pass verwundbarer lassen.

Wenn ihr also ab jetzt beim NFL-Schauen mal eine ‚Sudden Change‘-Situation mitbekommt, achtet einmal darauf, für welche Strategie der Playcaller sich entscheidet. Gibt er seiner Offense ein konservatives Play zum Warmwerden oder geht er aufs Ganze und versucht den Gegner zu überraschen?

Wie oben bereits erwähnt werde ich nach diesem sehr theoretischen Artikel eine Spielzuganalyse nachliefern, die zeigt wie Peyton Manning und die Broncos sich dieses Konzept am Sonntag zu nutze gemacht haben.

Edit: Zum Praxisartikel geht es hier entlang.

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Eine Antwort zu “‚Sudden Change‘-Situationen & Playcalling: Theorie

  1. Pingback: ‘Sudden Change’-Situationen & Playcalling: Praxis | Hard Count·

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