Quarterback, was labasch du? – Offense-Calls erklärt

In den letzten Jahren gab es einige teilweise recht tiefgreifende Veränderungen in der Übertragung von NFL-Spielen. Einige, wie die hirnlose Hintergrundmusik, mit der uns FOX Sports eine Zeit lang quälte, haben sich zum Wohle aller wieder verzogen. An andere, wie die ab und zu eingesetzte Skycam-Perspektive (von hinten oben, übrigens nicht ganz ungefährlich das Ding) muss ich mich noch gewöhnen. Eine Innovation, die ich als detailverliebter Footballnerd über alles liebe, sind die Overheadmikros, die uns ermöglichen zu HÖREN was auf dem Spielfeld abgeht.

In den meisten Fällen kann man genussvoll dem Snapcount (Vielleicht sogar einem Hard Count?) des Quarterbacks lauschen, ausserdem hört man Audibles (Codewörter für Spielzuganpassungen) so laut als wäre man mit auf dem Feld. Aber was bedeuten die ganzen Codewörter überhaupt? Damit es euch beim NFL-Schauen nicht geht wie Antoine beim Integrationstest will ich euch hier mit Hilfe meines natürlich begrenzten Wissens einige Calls ersichtlich machen, die die Overhead-Mikros während eines Spiels auffangen.

Zunächst ein Disclaimer: Natürlich sitze ich nicht in den Meetings der Teams und weiss nicht mit 100%iger Sicherheit was die Calls bedeuten. Es haben sich allerdings bestimmte Muster über die Jahrzehnte bewährt, mit denen viele Teams nach wie vor arbeiten. Calls von Teams können sich von Woche zu Woche unterscheiden, deswegen kann ich hier nichts anderes anstellen als halbwegs intelligente Rateversuche.

„Blue 15, Blue 15 Ace Hut“ / „Green 80, Green 80 Hut Hut“

Jeder Quarterback hat einen anderen Snapcount, der auch cadence genannt wird. Je nach Spielsystem, Quarterback und vor allen Dingen Spielsituation unterscheidet er sich. Während manche Spielzüge mit einem einfachen „Ready, Go“ eröffnet werden, ergiesst sich vor anderen Spielzügen eine wahrer Schwall von Worten, bevor der Ball endlich gesnappt wird. Recht populär sind Snapcounts wie die beiden Beispiele oben, die Farben und Zahlen beinhalten.

Über die Farben und Zahlen kann man in den meisten Fällen nur spekulieren. Zu viele Kombinationen gibt es, zu viele Möglichkeiten für WAS sie stehen können und WELCHER teil der Kadenz tatsächlich Bedeutung trägt. Zum Beispiel könnte wenn man nur den Auspruch Blue 15 nimmt, das Blue für eine Protection stehen und die 15 für ein Play, aber genau so andersrum. Darüber hinaus könnte Blue für eine bestimmte Art Run stehen (zB Power oder Outside Zone) und die 15 für den ausführenden Spieler und die Richtung des Plays.  Genau so gut könnte Blue 15 einfach ein Dummycount sein und überhaupt keine Bedeutung haben. Alles was man über die Kadenzen mit ziemlicher Sicherheit sagen kann, ist dass wenn man die selbe Kadenz vom selben Spieler immer wieder hört man davon ausgehen kann, dass diese keine schwere Bedeutung trägt, sondern die „Standard-Kadenz“ ist, die nichts am gecallten Play ändert.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass NFL-Angriffe eher von solchen Farben/Zahlen-Kadenzen abdriften und diese weniger und weniger benutzt werden. Aber dazu vielleicht an anderer Stelle dann einmal mehr.

„Fifty’s the Mike!“ / „Ninety-Five Mike“

Desöfteren hört man den Quarterback einen Ausspruch wie den obigen rufen, oder den Center wild in der Gegend herumfuchteln. Spielt ein Team gegen die 49ers, dürfte der Call „Fifty-Two’s the Mike“ heissen, heisst der Gegner Washington Redskins wird der Call sich mehrheitlich nach „Fifty-Nine’s the Mike“ anhören. Woran liegt das und welchen Sinn hat es?

Der spitzfindige Leser hat an dieser Stelle vielleicht schon kombiniert: Bei den 49ers trägt ILB Patrick Willis die Nummer #52 und bei den Redskins MLB London Fletcher die #59. „Mike“ ist in allgemeiner Football-Terminologie der Name für den Middle Linebacker. Warum sollte ein Quarterback denn vor jedem Spielzug ausrufen wer der Middle Linebacker ist? Kann man das nicht während der Vorbereitung rausfinden und in einem Meeting verkünden? Der Knackpunkt hierbei ist, dass Offenses ihre Passprotection (Schutz des Quarterbacks beim Wurf) hierdurch absprechen. In einem „BOB“ Blocking-Schema (steht für „Body on Body“, „Big on Big“ ) zum Beispiel ist jeder Lineman für einen Rusher zuständig (in der Regel vier). Der übrige Blocker übernimmt den „Mike“ und damit hier keine Missverständnisse entstehen, wird vor dem Spielzug vom Center auf den „Mike“ gezeigt oder jener vom Quarterback ausgerufen.

Je nachdem welches Defensepaket sich auf dem Feld befindet und wie die Defense steht, könnte es allerdings auch sein, dass ein Safety oder ein Outside Linebacker als „Mike“ ausgerufen werden muss, deswegen ist es nötig, jeden Spielzug erneut abzusprechen, wer der „Mike“ ist, damit allen Blockern klar ist, was zu tun ist.

„Omaha“

Omaha ist ein Codewort, das mehrere Teams benutzen. Ich persönlich frage mich oft, warum Teams diese Codes nicht häufiger ändern, denn wenn ich weiss was Omaha bedeutet, dann weiss das der D-Liner auch. Omaha ist bei einigen Quarterbacks (Brady definitiv) ein Code, um den Snapcount zu beschleunigen. Wenn die Zeit knapp wird oder man die Defense auf dem falschen Fuß erwischen will, so ruft man „Omaha“ und sobald das passiert ist, wird der Center den Ball beim nächsten Ton, den er vom Quarterback hört, snappen. Das nennt man dann eine „First Sound“-Kadenz.

„Kill“

Auch „Kill, Kill, Kill!“ hat sich allgemein gültig etabliert, auch wenn einige Teams natürlich auf komplett eigene Calls schwören. Der Code „Kill“ bedeutet, dass im Offense-Huddle mehrere Playcalls ausgegeben wurden und man durch den Code den ersten Playcalll „tötet“. So weiss das gesamte Team, dass der als zweites angesagte Spielzug ausgeführt wird. Dies passiert in der Regel nachdem die Offense sich aufgestellt hat und der Quarterback die Defense gelesen hat und beschlossen hat, dass es besser wäre, gegen diese Defense einen anderen Spielzug zu spielen.

Ich hoffe mit dieser kleinen Zusammenstellung von Codes, die man während eines NFL-Spiels hört konnte ich euer Sonntagserlebnis etwas bereichern. Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass wir durch die Overheadmikros einiges über die Audibles von Quarterbacks und auch generell die Kommunikation auf dem Feld lernen können. Ohne den bestimmten „Code“ zum Entschlüsseln werden wir jedoch nie komplett sicher sein, was die Calls bedeuten, insbesondere wenn Quarterbacks ein so kompliziertes Audible-System besitzen wie zum Beispiel Peyton Manning:

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