Bob Griffin und die Shanahanigans

Wie blockt man die besten Passrusher der Liga? Die Shanahans und RG III sagen: Am Besten überhaupt nicht. Wie DAS funktionieren kann, will ich in diesem Eintrag darlegen.
Vor dem dieswöchigen Monday-Night-Spiel gegen die New York Giants standen die Washington Redskins vor einem großen Problem, oder besser gesagt: Vier großen Problemen. Ihre Namen: Jason Pierre-Paul, Justin Tuck, Osi Umenyiora und Mathias Kiwanuka. Diese Jungs, auch bekannt als das NASCAR-Paket (Anspielung auf deren Speed), sind der Alptraum einer jeden Offensive Line. Vier Defensive Ends, alles bockstarke Pass-Rusher, bereit für ein Festmahl. Als Hauptspeise gibt es: Quarterbacks.

Im knappen 17:16 Sieg der Skins über die Giants machte das kreative Playdesign von Offensive Coordinator Kyle Shanahan den Unterschied. Selten gesehene Option-Plays verlangsamten den Pass-Rush und zwangen die gefürchtete New Yorker Defensive Line dazu „Assignment-Football“ zu spielen. Was das genau bedeutet, wird im folgenden beleuchtet:
Dieser Spielzug früh im zweiten Quarter demonstriert gut, wie die Redskins kreatives Playdesign gegen die Giants einsetzten. In Ermangelung einer besseren Bezeichung will ich es mal eine Wide Receiver Option nennen. Die reguläre Option wird mit einem Runng Back gespielt, er läuft ein paar Meter versetzt hinter dem Quarterback und bekommt den Ball zugeworfen (Rückwärtspass), sobald der QB auf einen Gegner trifft. In diesem Spielzug haben die Redskins aber einen Weg gefunden, einen Receiver als Option zu benutzen.

formation option pitch

Das Play startet mit einem gefakten Handoff auf Running Back Morris (blauer Pfeil). Sollte die Defense günstig stehen, hat RGIII hier die Option, Morris den Ball zu geben, weswegen das Play im Endeffekt ein „Triple-Option“-Konzept darstellt. Er zieht den Ball allerdings wieder zu sich und attackiert die linke Außenseite (gelber Pfeil).

Jpp ungeblockt option

Jason Pierre-Paul, einer der gefürchtetsten Defensive Ends der Liga bleibt auf diesem Play ungeblock und schießt naturgemäß hart auf den Running Back Morris, bei dem er den Ball vermutet und nimmt sich dadurch selbst aus dem Spiel.

option zwei

Ab diesem Moment heisst es drei gegen zwei. Vorteil Redskins. Griffin (gelber Pfeil) attackiert die Außenseite. Garcon oben blockt Cornerback Amukamara und Griffin und Pitch-Mann Santana Moss können sich nun um den Outside Linebacker kümmern (blauer Kreis). Der OLB reagiert wie vermutet, er geht auf Griffin, was dieser richtig liest und den Ball zu Moss pitcht (gelbe Striche unten).

option pitch

Leider Leider Leider (aus Redskins-Sicht) gelingt es Garcon oben nicht, den Block auf Amukamara lange genug zu halten (weisser Kreis), der mit einem übermenschlichen Play zuerst seinen Blocker aus dem Weg schiebt und sich dann über den nichtsahnenden Moss hermacht und diesen tacklet, bevor er Raumgewinn erzielen kann (roter Kreis unten).

option tackle

Insgesamt kann man trotzdem sagen, dass die Redskins durch ein geschicktes Schema einen Vorteil erarbeitet haben. Nur ein sehr sehr gutes Play des Zweitjahr-Cornerbacks hat einen großen Raumgewinn durch diese kreative Triple-Option verhindern können. Als zweites will ich noch auf ein weitaus erfolgreicheres Play aus dem vierten Quarter eingehen, nämlich den Touchdownpass:

td play

Diesmal ist Justin Tuck der arme ungeblockte D-Lineman. Die Redskins befinden sich in einer Pistol-Formation mit drei Backs (sah man sehr viel gegen die Giants) und faken zunächst einen Zone-Run nach links. Justin Tuck (roter Kreis) bleibt ungeblockt. Man kann davon ausgehen, dass er auf diesem Play die Verantwortung für die Außenseite der Offenseformation hatte (Outside Contain). Griffin wird nach dem gefakten Handoff nach rechts rollen und einen „Levels“-Read werfen, auf dem er drei Receiver auf drei verschiedenen Tiefen hat (blaue Pfeile).

tuck ungeblockt

Tucks Aufgabe war eigentlich, nichts nach außen kommen zu lassen. Er respektiert allerdings den starken Zone-Run der Redskins so sehr, dass er sofort nach innen schießt (roter Pfeil oben), was Griffin auf seinem Weg nach rechts allen Platz und alle Zeit der Welt gibt.
So bleibt letztendlich auch genügend Zeit, Pierre Garcon (blauer Kreis) in der Endzone zu finden, der nicht anderes tun muss als den einfachsten Touchdownpass seiner Karriere zu fangen.

easy td

Justin Tuck derweil (roter Kreis) versucht immer noch herauszufinden, wie er nicht geblockt und trotzdem aus dem Spielzug genommen wurde.

Was die Redskins-Offense im Moment zeigt, ist eine explosive Mischung aus einem dominanten Zone-Running Game, Griffins Athletik und jeder Menger cleverer Spielzüge aus der Feder von Kyle und Mike Shanahan, die die ersten beiden Elemente geschickt in Szene setzen. Ich glaube die Shanahans bekommen im Moment etwas zu wenig Credit für die Offensiv-Leistungen der Redksins. Würde RGIII in dem System eines sturköpfigen Coordinators spielen, der ihm die Spielzüge nicht auf den Leib schneidert, könnte er mit Sicherheit nicht auf diesem Level performen. Diese Einsicht hat meiner Meinung nach auch Auswirkungen auf die „Offensive Rookie of the Year“-Debatte, aber dazu vielleicht an anderer Stelle mehr.

Jetzt freu ich mich erstmal auf Sonntag und bin gespannt darauf, welche Shanahanigans wir im Nordost-Derby-Knaller gegen die Baltimore Ravens zu sehen bekommen.
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2 Antworten zu “Bob Griffin und die Shanahanigans

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