Wie können die 49ers Aaron Rodgers stoppen?

In meiner gestrigen Preview für kommenden Samstag habe ich bereits das Matchup von Green Bays Offense gegen San Franciscos Defense als „Elite vs. Elite“ ausgelobt. In den Kommentaren hat VM einen Yahoo-Sports-Artikel eingebracht, der sich damit auseinandersetzte, dass die Niners-Defense gegen Green Bay an ihrer Eindemsionalität scheitern würde. Der Artikel argumentiert, ein Quarterback könne einen auf vier Arten schlagen (Präzision, Mobilität, Antizipation und schneller Release) und Rodgers würde sie alle beherrschen.

Ich stimme zu. Ich habe es schon oft gesagt und ich sage es gerne wieder: Aaron Rodgers ist der beste Quarterback der NFL. ABER: Er ist ein Mensch.  In diesem Artikel will ich anhand des Gamtapes vom Treffen der beiden Mannschaften in Woche 1 deutlich machen, auf was es am Samstag ankommen wird, mit was die Niners eine Chance haben könnten, und was sie besser lassen sollten. Um eine Sache müssen sie sich schonmal wenig Gedanken machen. Das Laufspiel der Gäste aus Green Bay scheint schon vor Kickoff gestoppt. Im „Hinspiel“ in Lambeau erlaubte man Running Back Cedric Benson lediglich 18 Yards ins neun Versuchen. Der Leading Rusher der Packers in diesem Spiel? Ein gewisser Aaron Rodgers, fünf Versuche, 27 Yards.

So Nicht!

Gleich zu Anfang will ich eines aus dem Weg räumen. Alle elf Niners-Verteidiger müssen am Samstag ihr A-Game bringen. Diese Floskel hört man oft, aber was bedeutet das auf dem Platz genau? Es bedeutet, dass es keinerlei Spielraum für Konzentrationsfehler Einzelner gibt. Ein solcher ist Pass Rusher Aldon Smith in Week 1 passiert und lässt sich mit folgender Bilderfolge recht gut beschreiben:

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Im Rahmen dieses konventionellen Vier-Mann-Pass-Rushs hat OLB Aldon Smith eine wichtige Aufgabe. Er muss stets auf Rodgers Aussenschulterbleiben, und diesen damit „containen“, das heisst in der Pocket halten. Das gelingt ihm zunächst auch gut. Er attackiert den Left Tackle mit einem Lehrbuchmanöver auf der Aussenschulter und sichert das Contain.

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Allerdings scheint nur das Contain zu halten für Aldon nicht zufriedenstellend zu sein. In der Hoffnung, den LT auf dem falschen Fuss zu erwischen reisst er diesen mit seiner ganzen Kraft nach aussen um innen an ihm vorbeizugehen. Ein Riesenfehler gegen einen auch nur halbwegs mobilen Quarterback. Wie auf den Bildern gut zu sehen ist, gelingt es Rodgers aus der Pocket zu flüchten.

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Hat er einmal das Contain gebrochen, befindet sich vor ihm nichts als grüne Weidelandschaft (blauer Bereich) und Aldon Smith (roter Kreis) kann nur noch hinterherhetzen und sich über Rodgers‘ Speed wundern. Resultat: First Down.

Was im ersten Moment wie ein Kavaliersdelikt wirkt kann in einem erwartet eng umkämpften Spiel zum Zünglein an der Waage werden. Von Rodgers kann man erwarten, dass er alle Fehler der Defense gnadenlos ausnutzen wird. Also: Geduld Aldon, Geduld!

Vielleicht so?!

Mitte des ersten Quarters sahen sich Arod und Konsorten mit einem Third & Long konfrontiert. Niners-Defensive Coordinator Vic Fangio entschied sich in dieser Situation für einen für die Niners recht untypischen, heftigen Blitz, der es auch tatsächlich schaffte, Rodgers aus dem Konzept zu bringen.

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Wie in obigen Screen gut zu sehen ist bringen die Niners tatsächlich sieben Mann auf einem Blitz. Sie spielen darüber eine softe Zonendeckung (Safetys deep, Corners middle-to-deep). Der entscheidende Faktor ist der Blitz des Slotcorners. Dieser macht den Slot-Receiver automatisch zu einem „Hot Read“ für Rodgers, zu dem er den Ball schnellstmöglich bringen muss.

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Jermichael Finley und Randall Cobb laufen tatsächlich mutterseelenallein in der Mitte des Feldes herum (gelbe Kreise), während die beiden Receiver aussen von der Coverage rausgenommen werden. Rodgers scheint vom Blitz allerdings so aus dem Konzept gebracht, dass er den Ball herunterzieht und sich vom ungeblockt hereinrauschenden Slot-Corner sacken lässt. b4

Resultat des Spielzugs logischerweise Raumverlust und Ballbesitzwechsel, die Packers müssen zu den Niners punten, Sieg Frisco. Druck könnte also eventuell, im Richtigen Moment eingesetzt, ein Mittel gegen Rodgers sein.

So!

Ein Kunststück gelang der Niners-D im vierten Quarter in Gestalt von Linebacker Navarro Bowman, dem es mit Hilfe kreativen Playdesigns gelang, einen Rodgers-Pass abzufangen. An dieser Stelle kommen wir zum Punkt, an dem ich dem eingangs erwähnten Yahoo-Sports Artikel widerspreche, der behauptet, die Niners seien eindimensional und könnten Rodgers nichts zeigen, was er nicht schon kennen würde.

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Die Niners zeigten hier einen ambivalenten Presnap-Look. Der Slot-Corner und der linke Corner (blaue Kreise) zeigen Manndeckung an, während die zwei hohen Safetys und der rechte Corner eher nach Zonenverteidigung aussehen.c2

Nach dem Snap erweis sich die Deckung auf Rodgers‘ ersten Blick als Manndeckung. Sein Play-Action-Fake zog seiner Meinung nach die Linebacker nach vorne, was Platz in der Mitte schafft für Receiver Greg Jennings‘ vertikale Route (blauer Pfeil). Navarro Bowman (roter Kreis) und die anderen Linebacker befinden sich allerdings keineswegs in Manndeckung. Sie spielen Zonenverteidigung in der Mitte des Feldes (unten zu sehen).

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Bowman (roter Kreis) gelang es allerdings, Rodgers davon zu überzeugen, er befinde sich in Manndeckung auf den Runningback. Während Rodgers zum Wurf ausholt, geht er aber in die Rückwärtsbewegung und fängt den Pass zum nach Rodgers Meinung glockenfreien Greg Jennings ab.

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Dieser Spielzug zeigt, dass Fangio durchaus ein paar Asse im Ärmel zu haben scheint und ich bin mir sicher, dass er sich ein paar für das Treffen mit dem Top-QB Rodgers aufgehoben hat. Die Fähigkeiten von Spielern wie Navarro Bowman, die aussergewöhnlichen Calls auf dem Feld nach etwas Anderem aussehen zu lassen, könnte Rodgers auch am Samstag wieder auf dem falschen Fuß erwischen.

Schau mer mal.

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6 Antworten zu “Wie können die 49ers Aaron Rodgers stoppen?

  1. Guter Artikel!
    Ich glaub solange die 49ers einigermaßen in ihrer Base-Defense bleiben können, haben sie echte Chancen.
    Aber sobald die LB’s vom Feld müssen, weil GB eine Spread-Offense spielt, würde ich die Vorteile klar bei den Packers sehen.
    Als Offense Coordinator von Green Bay wäre das jedenfalls mein Plan.

  2. Pingback: NFL-Vorschau: Divisional Playoffs | Football is Sex, Baby!·

  3. Wow, echt krass, was du alles über Football weißt 😉

    Schöner Artikel und gut erklärt.

    Ich hab bzgl. der Packers noch die „Angst“, dass die O-Line mal wieder nicht hält. Sollte Rodgers die Zeit bekommen, dann ist er im Stande auch die kreativen Defensivplays zu erkennen und darauf reagieren. Wird er aber mal wieder im Stich gelassen, seh ich gute Chancen für die Niners.

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