Regel-Ecke #7

An dieser Stelle möchte ich wöchentlich eine Regel aus dem NFL-Rulebook vorstellen und deren Relevanz kurz diskutieren. Bei der Auswahl der Regeln kommen keine besonderen Kriterien zur Anwendung. Die Regeln können enorm wichtig oder auch einfach trivial und allen bekannt sein.

Heute: Die Tuck-Rule (Regel 3, Abschnitt 22, Artikel 2)

Immer wieder sorgt die sogenannte Tuck-Regel für Gesprächsstoff in der NFL. Besonders in wichtigen Situationen kann die Tatsache, ob der Quarterback den Ball nun gefumblet hat „nur“ einen unvollständigen Pass geworfen hat, Spiele entscheiden. Da viele mit der Tuck-Rule nur leichte Vermutungen verbinden, möchte ich die Regel im Folgenden erläutern.

Die Regel:

Das NFL Regelbuch kennt keinen eigenen Abschnitt für die Tuck-Rule. Sie wurde lediglich als Notiz an die Regel Vorwärtspass angehängt. Demzufolge ist es ein Vorwärtspass, wenn der Ball, nachdem er die Hand des Passspielers (meist Quarterback) verlassen hat, sich nach vorne bewegt und zwar zu irgendeinem Punkt der näher an der gegnerischen Goalline ist als der Punkt, an dem der Ball die Hand des Passspielers verlassen hat. Dabei spielt es, im Vergleich zur Vollständiger-Pass-Regel, keine Rolle, was oder wen der Ball auf seinem Weg berührt. Es geht nur um die Feststellung, dass der Ball sich nach vorne bewegt (hat).

ABER:
Das Regelbuch macht einige Ausnahmen:

Notiz 1 besagt, dass jede absichtliche Vorwärtsbewegung (siehe oben: Näher zur gegnerischen Goalline als der Passspieler selbst) der Hand des Passspielers einen Vorwärtspass beginnen lässt. Somit ist es auch ein Vorwärtspass, wenn der Ball Quarterback den Ball fumbelt (meist bekommt er ihn aus der Hand geschlagen) nachdem er mit dieser Vorwärtsbewegung begonnen hat.

Die Tuck-Rule (Notiz 2) ist eigentlich nur eine Spezifizierung von Notiz 1. Das Regelbuch besagt dazu, dass es (analog zu Notiz 1) auch ein Vorwärtspass ist, wenn der Passspieler versucht den Ball wieder an den eigenen Körper zu drücken („tucks“ it back toward his body). Er bricht also den Wurfversuch ab. Fumbelt er während dieses Prozesses den Ball ist es ein unvollständiger Pass, da er ja trotzdem eine Vorwärtsbewegung mit der Hand gemacht hat. Allerdings beschreibt Notiz 2 auch, dass nach dem erfolgreichen „tuck“, der Ball wieder gefumbelt werden kann.

Notiz 3 schränkt noch einmal ein und beschreibt, dass es ein Fumble ist, wenn der Passspieler die Kontrolle über den Ball verliert, während er versucht seinen Arm zu heben/zu drehen o.ä. (to recock). Diese sogenannte „Recock-Rule“ kommt selten zum Einsatz und ist vor allem dann relevant, wenn der Passspieler durch einen Verteidiger die Kontrolle über den Ball verliert, aber trotzdem noch einen Wurf versucht.
Bestes Beispiel:

Die Refs entschieden hier auf Fumble und beließen es dabei auch nach dem Sichten der Videobilder. (Die ursprüngliche Entscheidung wurde aufrechterhalten „stands“; d.h. es gab zumindest keinen eindeutigen Beweis des Gegenteils („overturn“) und auch keine 100% Bestätigung („confirm“).

Warum die Regel wichtig ist:

Über Sinn und Unsinn dieser Regel kann man streiten. Vor allem, da es oftmals (auch nach Videobeweis) kaum möglich ist zu unterscheiden, ob die Hand des Quarterbacks nun schon eine Vorwärtsbewegung begonnen hat oder nicht, fordern viele die Abschaffung der Tuck-Rule. Einst zum Schutze der Quarterbacks eingeführt um ihnen die Möglichkeit zu geben einen Passversuch abzubrechen und den Ball wieder „einzupacken“, gibt sie diesen heute mehr oder weniger die Möglichkeit aus fast jeder Situation „zumindest“ einen unvollständigen Pass herauszuholen und ein Fumble zu vermeiden. Ich als Freund defensiver Action hätte nichts gegen eine schnelle Abschaffung dieser Regel.
Kommentare/Diskussion natürlich erwünscht

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Eine Antwort zu “Regel-Ecke #7

  1. Pingback: Regel-Ecke #12 | Hard Count | A German NFL Blog·

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