FfF II – Personalpakete Offense und Defense

In dieser zweiten Ausgabe von Football für Fortgeschrittene will ich etwas Licht bringen in die Personalpakete im Football. Danke für die Anregungen an dieser Stelle an AR12 und Michael Buchner, die  Fragen dazu unter unserem Offseason-Vorschau-Artikel gestellt hatten.

Obwohl im Rahmen der NFL-Übertragungen stets die elf „Starter“ eines Teams vorgestellt werden, als wären diese in Stein gemeißelt, ist die Realität der Liga doch, dass je nach Team wahrscheinlich zwischen 12 und 16 Spieler je Offense und Defense als „Starter“ gelten könnten. In diesem Artikel will ich lediglich beschreiben, WER in einer bestimmten Formation auf dem Feld ist, nicht WO er sich aufstellt, das würde den Rahmen hier sprengen. Es geht also um Personal, nicht um Formationen (einige offensive Formationen habe ich schon in der ersten FfF-Ausgabe abgehandelt)-

Offense

Offense-Pakete bezeichnet man mit einer zweistelligen Zahl. Die erste Zahl steht hierbei für die Anzahl der Running Backs, die zweite Zahl steht für die Anzahl der Tight Ends. Die Anzahl der Receiver ergibt sich daraus, da angenommen wird, dass grundsätzlich fünf Offensive Linemen und ein Quarterback auf dem Feld sind (in 99% der Fälle zutreffend). Beispiele:

00er Personal – 0 RB 0 TE 5 WR

11er Personal – 1 RB 1 TE 3 WR

21er Personal – 2 RB 1 TE 2 WR

Zusätzlich sind alle anderen Kombinationen von Personal möglich. Wer weiss, vielleicht erleben wir auch bald 14er-Personal oder 50er Personal? Return of the Running Backs? Nichts ist undenkbar!

Defense

Die defensiven Personalpakete werden nach der Anzahl der Defensive Backs bezeichnet. Hier näher eingehen will ich auf Base, Nickel und Dime-Pakete.

Base

Als Base Defense bezeichnet man die Ausgangsformation einer Verteidigung. Das ist in aller Regel grob gesagt entweder eine 3-4 (3 DL, 4 LB) oder eine 4-3 (4DL, 3 LB). zusätzlich zu diesen Spielern befinden sich vier Passverteidiger (Defensive Backs) auf dem Feld, zwei Cornerbacks und zwei Safetys.

Nickel

In einer Nickel-Defense wird ein zusätzlicher Defensive Back (genannt: Nickelback) aufs Feld geholt, dafür wird auf einen Linebacker oder Defensive Lineman verzichtet. Diese Formation wird vor allen Dingen gegen 11er-Personal gespielt oder gegen 12er-Personal mit einem Tight End, den man fast als Receiver verteidigen muss (zB. Aaron Hernandez).

Man unterscheidet zwischen „Big Nickel“, in der der zusätzliche DB ein Safety ist, und dem normalen Nickelpaket, bei dem das ein Cornerback macht. Big Nickel wurde vor allen Dingen in letzter Zeit viel von den New York Giants benutzt. Ein paar „klassische“ Nickelbacks sind zum Beispiel Chris Culliver (49ers), Sam Shields (Packers) und Cary Williams (jetzt Eagles, letzte Saison Ravens). Der Nickelback covert den Slot-Receiver, während die Cornerbacks sich um die Receiver aussen kümmern. Der Nickelback muss heute eigentlich fast als Starter gelten, da er annähernd so viel spielt wie sein Gegenpart in der Base-Defense.

Dime

Für die Dime-Defense nimmt man zwei Front-Seven-Spieler (LB oder DL) vom Feld und schickt dafür zwei Defensive Backs aufs Feld (insgesamt also 6 Defensive Backs im Spiel). Wie man sich denken kann wird dieses Paket vor allen Dingen in allzu offensichtlichen Passsituationen genutzt. Je weiter man sich von der Base-Defense entfernt, desto verwundbarer wird man natürlich gegen den Lauf. Um effizient Dime-Defense spielen zu können, braucht man einen exzellenten Linebacker in Lauf- und Passverteidigung wie zum Beispiel Dallas‘ Sean Lee oder Houstons Brian Cushing.

Wieviel wird was gespielt?

Im Folgenden habe ich mal eine Tabelle von Pro Football Focus etwas gepimpt, um euch einen Eindruck davon zu verschaffen, wie die ungefähren Verhältnisse zwischen Base, Nickel und Dime sind (bzw waren in der 2011! er Saison):

Defensive Personell

Quarter

Die Quarter-Defense will ich nur kurz ansprechen. In Hail Mary oder 3rd&45 Situationen kann es sein, dass der Coach auch einmal sieben Passverteidiger aufs Feld schicken will. Oftmals gibt es allerdings nicht einmal so viele am Spieltag aktive Defensive Backs. In diesem Fall wird einfach mit Receivern ausgeholfen, die  Spezialisten für das Fangen von langen Pässen sind. Nicht immer die schlechteste Idee, wie Julio Jones in den vergangenen Playoffs eindrucksvoll bewies:

Wer gegen Wen?

Es gibt kein Standard-Rezept dafür, wann man welches Personalpaket einsetzen muss. Je nachdem wie die Spielsituation ist, was die eigenen Spieler können, was die gegnerischen Spieler können und was man vom Gegner erwartet kann sich die Entscheidung für ein bestimmtest defensives Paket unabhängig vom offensiven Paket ändern. In der Regel verteidigt man 22er-Personal mit seiner Base-Defense, ja. Aber ist einer der Tight Ends Aaron Hernandez oder Jimmy Graham, oder einer der Running Backs Darren Sproles oder LaMichael James, tut man je nach Spielsituation vielleicht besser daran, diesen Spieler als Wide Receiver zu behandeln und eine Nickel-Defense aufs Feld zu schicken. Manche Teams fühlen sich mit ihrer Nickel-Defense auch so gut, dass sie sie oftmals gegen gegnerisches Base-Personal aufs Feld schicken. Die Giants zum Beispiel spielten 2011 nur in 22% der Snaps ihre Base-Defense, ansonsten hauptsächlich ihre „Big Nickel“.

Matchup-Nightmares

Trotz aller Anpassungen und Überlegungen gibt es einige Spieler, die man kaum effektiv in eine Kategorie einordnen kann (zum Teil bereits oben genannt). Behandelt man einen Vernon Davis nun als Tight End oder Receiver? Covert man ihn traditionell mit einem Linebacker, kommt dieser wohl nicht hinterher. Covert man ihn mit einem Defensive Back, ist dieser in der Regel zu klein, um hohe Pässe zu verteidigen. Manchmal heisst es für Defense Coordinators also einfach: Pick your Poison.

No Huddle

No Huddle-Offense ist der natürliche Feind der Personalpakete. Denn die kurze Zeit zwischen Spielzügen macht ein effektives Wechseln des Defensivpersonals fast unmöglich. Erwischt eine No Huddle-Offense eine Defense mal in einem falschen Paket, im Rahmen dessen die Offense einige Mismatches zum Ausnutzen hat, wird die Offense dankbar Spielzug um Spielzug das Feld abgrasen, bis die Defense ein Play macht oder die Coaches ein Timeout opfern um zu wechseln.

Hybride Verteidiger

Ein Schwerpunkt in der heutigen NFL ist es, Spieler zu finden, die auf der defensiven Seite die Gegenstücke zu den Matchup-Nightmares der Offense sind. Hybride Verteidiger, zum Beispiel ein Passrusher, der auch covern kann, oder ein Nickelback, der auch ein Gap im Runsupport effektiv stopfen kann, sind gefragter denn je. Prototypen verschwinden und machen Platz für neue, flexiblere Spielertypen.

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4 Antworten zu “FfF II – Personalpakete Offense und Defense

  1. Toller Artikel mal wieder. Gibt es noch weitere Folgen dieser Serie?

    Endlich kann ich mit Begriffen wie Dime und Nickelback was anfangen. VIelen Dank.

  2. 50-Personal dürfte in Amerika momentan eher undenkbar sein, nachdem minimum sieben Spieler an der Line of Scrimmage aufgestellt sein müssen (NFL und IMHO High School) bzw. der College Football maximal vier Backs erlaubt. Also erstmal kein Return of the Running Back 😉

  3. naja es geht ja nur um Personal… Running Backs können sich ja ohne Probleme als Receiver an der Line aufstellen… ist natürlich ein absurdes Gedankenexperiment, aber möglich wäre es 😉

    @Michael, ja ich plane noch mehr Artikel dieser Art! Wenn du spezifische Fragen hast nur her damit, habe noch eine kleine Sammlung von Fragen die ich abarbeite aber bin immer für Anregungen dankbar

  4. Pingback: Draft Strategien – Allgemein | Triple-threat·

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