FFF #3 – Laufverteidigung: 3-4, 4-3 und andere Schweinereien

Oft wird gesprochen von „der“ 3-4 Defense und „der“ 4-3 Defense als den zwei klassischen Systemen in der Verteidigungslandschaft der NFL. Diese Begriffe sagen einem zunächst einmal nicht mehr als dass in einem System mit drei Defensive Linemen und vier Linebackern gespielt wird und im anderen System mit vier Defensive Linemen und drei Linebackern.Am Ende dieses Artikels sollt ihr etwas schlauer sein, was diese Konzepte angeht. Sie unterscheiden sich in Aufstellung, Gapkonzepten und Personal. Vorwarnung: Es wird kompliziert! Aber steht mir bei, ich denke ich kann es recht gut anschaulich machen.

Um eine gemeinsame Grundlage zu schaffen will ich erst einmal ein paar Begrifflichkeiten einführen, die deutlich über das hinausgehen, was einem die TV-Kommentatoren so erzählen. Zunächst einmal ein Coaches-Tape-Screenshot einer O-Line.  Ignoriert die Defense bitte noch.

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Um über die verschiedenen Positionen zu sprechen, redet man in der Coaches-Sprache von „Gaps“ (Löchern) und Techniques (Techniken). Erstere sind etwas intuitiver und von mir einmal unten eingezeichnet.

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Es gibt also in jeder O-Line zwei A-Gaps (links und rechts vom Center), zwei B-Gaps (jeweils zwischen Guard und Tackle) und zwei C-Gaps (ausserhalb der Tackles)
Jede Defense muss um das gegnerische Laufspiel zu stoppen bei jedem  Spielzug jedes dieser Gaps verteidigen. Das heisst, es muss wohl ein Spieler diesem Gap zugeteilt sein (schematisch) UND dieser Spieler muss diese Aufgabe auch durchziehen und nicht von Instinkten oder lustigen Ideen in ein anderes Gaps verleitet werden. Denn auch wenn der Run durch ein weit entferntes Loch beginnt, können gute Running Backs mit Hilfe eines so genannten „Cutbacks“ (scharfer Richtungswechsel) ein anderes Loch ansteuern. Hat der Laufverteidiger auf die ursprüngliche Laufrichtung überreagiert und seine ursprüngliche Aufgabe vernachlässigt, indem er sein Gap verlassen hat, ist das nicht selten ein Touchdown. Deswegen ist Laufverteidigung vor allen Dingen eins: „Gap-Discipline“. Behaltet die Gaps mal im Hinterkopf. Zunächst will ich nämlich kurz auf etwas anderes eingehen.

Neben den Gaps/Löchern gibt es noch eine zweite Terminologie. Diese bezeichnet nicht, wofür ein Verteidiger im Endeffekt zuständig ist, sondern lediglich, an welchem Punkt er sich vor dem Snap aufstellt. Ein Spieler, der sich direkt gegenüber vom Center aufstellt wird nach dieser Terminologie 0er-Technik oder auf Englisch „0 Technique“ oder einfach nur kurz „0 Tech“ genannt. Ein Spieler, der sich auf der Aussenschulter des Guards aufstellt 3er-Technik und so weiter. Alle anderen Techniken egeben sich aus folgender Grafik, die ich ohne die freundliche Genehmigung der Jungs von PFF von deren Seite entwendet habe.

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Aufstellung

Anhand der Techniken können wir schon einmal die ersten deutlichen Unterschiede zwischen 4-3 und 3-4 ausmachen. In einer klassisch en 4-3 Front stehen die D-Liner auf 7er (8er/9er), 3er, 1er und 6er/7er Technik, während in einer Dreier-Front ein Spieler eine 0er-Technik spielt („Nosetackle“) und zwei Ends 5er Techniken. Hier einmal zwei Beispiele, die das gut illustrieren: Arizonas 3-4 und Minnesotas 4-3.

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Gapkonzepte

One-Gapping

Beim One-Gapping ist ein Spieler jeweils für nur ein Gap zuständig, wie man sich vielleicht vom Namen her schon denken kann. Es ist seine Aufgabe, durch dieses Gap (jetzt wieder an die lustigen Buchstaben oben erinnern) nichts kommen zu lassen. In der Regel wollen Coaches von Spielern in One-Gap-Systemen eines: Penetration. Je tiefer der Spieler im Backfield des Gegners agiert, desto besser. Ob er das mit purer Kraft (Bullrush) macht, oder mit Finesse (Spin- und Ripmoves oder Speedrush) ist ihm überlassen.

Von Spielern in One-Gap-Systemen wird in der Regel verlangt, den Lauf „auf dem Weg zum Quarterback“ zu spielen. Das bedeutet überspitzt formuliert: Man kümmert sich um Penetration und Passrush als erste Priorität und wenn zufällig der Running Back vorbeikommt, hält man halt den Arm raus.

One-Gapping ist in der Regel mit 4er-Fronten verknüpft. Es gibt aber auch Ausnahmen, zum Beispiel Wade Phillips‘ 3-4 in Houston, bzw davor in Dallas. Diese sieht aus wie eine „echte “ 3-4, arbeitet aber mit One-Gap Konzepten und benötigt deshalb eher 4-3 Personal.

Two-Gapping

Klassische 3-4-Verteidigungen arbeiten mit two-gap-konzepten. Da sie nur mit drei Spielern gegen 5 oder eventuell sogar 6 Blocker antreten, reicht es nicht wenn jeder nur ein Gap spielt. Jeder der Linespieler muss sich um zwei Gaps kümmern. Im Fall des Nosetackles wären das zum Beispiel die beiden A-Gaps; die Ends kümmern sich jeweils um das B- und C-Gap auf ihrer Seite.

Auf der Detailebene unterscheiden sich die Two-Gap-Konzepte auch noch untereinander: In den meisten Systemen gibt es Prioritäten für die Spieler, welches der beiden Gaps „wichtiger“ ist. Wenn es hart auf hart kommt, verteidigen die Spieler also in manchen System „lieber“ das Strongside- und in anderen lieber das Weakside-Gap. Das unwichtigere Gap ist im Notfall dann von einem Linebacker gedeckt.

Personal:

Da sich die Aufgaben zwischen den beiden Gapkonzepten und System doch deutlich unterscheiden, benötigt man deutlich anderes Personal für sie.  Ein End in einer 4-3 ist leichter und schneller als ein 3er-line End, da er nicht wie letzterer zwei Gaps gleichzeitig kontrollieren muss. Ein Nosetackle (0-Tech) in einer 3-4 ist deutlich massiger und schwerer as ein Defensive Tackle  in einer 4er-Front,  aus den selben Gründen.

Hybride

Ein Wort über hybride Verteidigungen: Sie existieren. Und ja, die reinen prototypischen 3-4- und 4-3 Systeme werden weniger. Aber das ist dann vielleicht ein Fall für FFF #4.

Habt  ihr soweit alles verstanden? Gibts noch was zu klären? Hit the comments!

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10 Antworten zu “FFF #3 – Laufverteidigung: 3-4, 4-3 und andere Schweinereien

  1. Innenschulter der Guards entspricht nicht der 3, oder etwa doch?
    In der ersten Aufstellung sehen wir ein 5 – 0 – 4
    und in der zweiten 8 – 3 – 1 – 9

  2. Muss natürlich Aussenschulter heissen, ist geändert.

    Bei den Bildern kann man diskutieren ob 4 oder 5… aber weil es normalerweise immer eine 5 ist, nehme ich mal an dass das hier „gemeint“ ist und der Spieler einfach etwas nach innen cheatet. Der wichtige Punkt ist dass er sich vorm Tackle aufstellt.

    Die 7 ist allerdings definitiv eine solche. Höchstens eine 8. Eine 9 wäre deutlich ausserhalb eines hypothetischen Tight Ends.

  3. 9-Techs sehen wir im allerersten Bild von den Jaguars-Defensive Ends, mit dem dafür typischen Four-Point-Stand.

  4. Pingback: Rons GFWTC Log Runden 9 – 16: Unkenntnis + Alkohol = Nick Fairley? | Hard Count | Ein deutscher NFL Blog·

  5. Ist schon ziemlich kompliziert für mich als Laien, aber trotzdem interessant. Danke, dass du dir die Arbeit gemacht hast.

  6. Um es komplizierter zu machen: ich hatte noch keinen Line-Coach, der die genannte Nummerierung verwendet hat. geläufiger ist eine die Nummerierung (von Headup Center zur Außenschulter TE):
    0, Shade, 1, 2, 3, 4i, 4, 5, 6i, 6, 7). So ist Headup immer eine gerade Zahl. Das variiert jedoch von Coach zu Coach, manche ziehen das System mit „i“ für inside konsequenter durch (0, 1, 2i, 2, 3, 4i, 4..).

  7. Ja das ist aber eher so ein deutsches Ding, hab ich das Gefühl. Hier in D hab ich auch immer die „i“-Version erlebt aber „drüben“ benutzt das glaub ich kaum einer

  8. Hab mal mit einem College-Spieler gesprochen, der meinte, dass folgende Version benutzt würde:

    Gerade Zahlen von 0-6 für „direkt in der Fresse des Blockers“.
    1 für seitlich versetzt zum Center auf beiden Seiten.
    2i und 4i für die jeweiligen Innenschultern von Guards und Tackles.
    3 und 5 für jeweilige Außenschultern von Guards und Tackles.
    7 für Innenschulter Tight End.
    9 für Außenschulter Tight End.

    Dieses System ist von Bear Bryant (Trainerlegende bei University of Alabama) entwickelt worden und aus irgendeinem Grund hat sich niemand getraut, es „logischer“ zu machen. Es ist angeblich (behauptete der Mann, ein DT) das gängigste in den Staaten.

  9. Pingback: HCP #10 – Verbleibende Free Agents | Hard Count | Ein deutscher NFL Blog·

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