Für wen man sein sollte – Der Homo Footballicus

In den HCP-Folgen 16 und 17 diskutierten Flo und ich unter dem Radar immer wieder die Frage, welchem Team man die Daumen drücken sollte. Natürlich hat jeder NFL-Fan seine Lieblingsteams, Spieler, Coaches, Maskottchen, Stadien oder was auch immer. Gerade deshalb entstehen die unterschiedlichsten Präferenzen im Bezug dazu, für welches Team man die Daumen drückt. Der Kollege Maschemist hat das eindrucksvoll in einer statistischen Auswertung festgehalten. Zu sehen ist hierbei, dass nicht einmal NFL-Experten rational sind, wenn es ums Daumendrücken geht.

Ich möchte daher im Folgenden den Homo-Footballicus vorstellen, d.h. eine Person die Fan oder Anhänger eines Teams ist und immer das Maximum für das eigene Team herausholen möchte. Wichtig ist dabei, dass lediglich die Erfolgsaussichten des eigenen Teams maximiert werden sollen. Sympathien für andere Teams sind nicht vorhanden.

Ein Beispiel: Unser Homo-Footballicus ist Fan der Chicago Bears (schwer vorstellbar, ich weiß…)
Er wird also selbstverständlich bei jedem Spiel seiner Bears für eben dieses Team sein, egal gegen wen es geht. Wie aber verhält er sich bei Spielen zwischen anderen Mannschaften? Zur besseren Übersicht hier kurz zusammengestellt und im Anschluss erklärt. (In Fett nach dem Doppelpunkt steht jeweils die Mannschaft, die der Homo-Footballicus anfeuern würde)

a) Spiel der Bears gegen jedes andere Team: Bears
b) Spiel zwischen zwei anderen Teams aus der Bears Division (NFC North): Das Team mit der schlechteren Bilanz.
c) Spiel zwischen zwei Teams aus der Bears Division (NFC North) gegen jedes andere Team: Das Team, das nicht aus der NFC North ist.
d) Spiel zwischen zwei Teams aus der NFC, die nicht der NFC North angehören: Das Team mit der schlechteren Bilanz.
e) Spiel zwischen einem NFC Team gegen ein AFC Team: Das AFC Team
f) Spiel zwischen zwei AFC Teams: Das Team mit der schlechteren Bilanz
g) Spiel zwischen zwei Teams aus b), d) oder f), die die gleiche Bilanz aufweisen: Das Team, das schwächer eingeschätzt wird (Quoten)

Nun zur Erklärung: Unser Homo-Footballicus (HF) ist wie erwähnt immer rational. Sein einziger „Bias“ ist die Liebe zu einem einzigen Team, für welches das Maximum rausgeholt werden soll. Grundlage für meine bzw. seine Überlegungen sind natürlich der Gewinn des Superbowls. Einschließlich dieses Spiels soll der Weg zum Erfolg möglichst einfach sein. Um den gleich folgenden Ausführungen Folgen zu können, sollte man sich unbedingt die Vergaberegeln für Playoff-Plätze sowie die Rolle der Divisionen und Conferences in der NFL zu Gemüte führen, die ich bereits vor einiger Zeit mal erläutert habe.

Aber nun ans Eingemachte:

zu a) Wie oben bereits erklärt wird der HF immer zu seinem Team stehen. Daher ist hier alles geklärt.
zu b) Für den HF hat natürlich der Gewinn der Division oberste Priorität. Daher präferiert er es, wenn sich die Teams innerhalb seiner Division gegenseitig schwächen.
zu c) Ähnliches gilt hier. Da der Divisionssieg das oberste Ziel ist, wird im Zweifelsfall immer das Team angefeuert, das nicht der eigenen Division angehört.
zu d) Da bei der Vergabe der Wildcard-Plätze, des Heimvorteils und des Freiloses in Runde eins der Playoffs die Sieg-Niederlage-Bilanz innerhalb der eigenen Division zugrunde gelegt wird, entscheidet sich der HF für das schwächere Team, da es das eigene Team stärkt, wenn sich die anderen Teams gegenseitig Spiele abnehmen.
zu e) Da Playoff-Plätze nur innerhalb einer Conference vergeben werden, entscheidet sich der HF hier für das AFC Team, da er dieses frühestens im Superbowl schlagen muss und es bei der Vergabe der Playoff-Plätze keine Rolle spielt.
zu f) Auch Spiele zwischen AFC-Teams sind dem HF nicht vollkommen egal. Im Superbowl möchte er nämlich möglichst auf ein Team treffen, das in der regulären Saison weniger Siege aufweisen kann als das eigene Team. Das gibt Selbstvertrauen und ein + bei den Buchmachern.
zu g) Hier drückt der HF natürlich dem Underdog die Daumen, da dies zu einer Schwächung des vermeintlich stärkeren Gegners führen könnte.

Wäre unser HF tatsächlich Bears-Fan würde er heute Abend folgenden Teams die Daumen drücken (in Klammern die Begründung von oben):

Chiefs@Bills: Bills (f)
Vikings @Cowboys: Cowboys (c)
Saints@Jets: Jets (e)
Falcons@Panthers: Falcons (d)
Titans@Rams: Titans (e)
Chargers@Redskins: Chargers (e)
Eagles@Raiders: Raiders (e)
Buccaneers@Seahawks: Buccaneers (d)
Ravens@Browns: Browns (f)
Steelers@Patriots: Steelers (f)
Colts@Texans: Texans (e)
Bears@Packers: Bears (a)

Wie ihr sehen könnt, findet sich nun für jede Spielpaarung eine Präferenz gemäß dem HF. Nun könnt auch ihr zum Homo Footballicus werden! Viel Spaß 🙂

Disclaimer: Wie sein großer Bruder (der Homo Oeconomicus) stößt auch der Homo Footballicus hin und wieder an seine Grenzen. Beispielsweise wäre es in fortgeschrittenem Stadium der Saison evtl. ratsam einem chancenlosen Team aus der eigenen Division die Daumen zu drücken, wenn es gegen einen direkten Konkurrenten spielt. Die 4:3 Chicago Bears sollten diese Woche im Spiel Vikings@Cowboys evtl. eher den Vikings die Daumen drücken, da man argumentieren könnte, dass diese kein Konkurrent mehr für die Bears sind. Ein VWLer würde nun sagen, dass der Homo Oeconomicus nur unter Idealbedingungen funktioniert. Ich sage, dass der Homo Footballicus sogar unter Realbedingungen funktioniert – mit Einschränkungen 😉

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5 Antworten zu “Für wen man sein sollte – Der Homo Footballicus

  1. Wenn man das ganze noch auf die Spitze treiben möchte, sollte sich der Homo Footballicus auch noch Gedanken um den kommenden Draft machen. In der Kategorie f kann man dann noch unterscheiden, ob eines der (in diesem Fall) AFC-Teams zu der Division gehört, gegen die (in diesem Fall) die NFC North im Laufe der Saison spielt. Dann sollte man gegen dieses Team sein, da bei der Draft-Reihenfolge bei gleicher Bilanz (und gleichem Playoffausscheiden) das Team mit der schlechteren Gegnerbilanz bevorzugt wird.

    Gleiches gilt in gewissem Maße auch für den Fall d, wenn eines der Teams auf dem Schedule steht und das andere nicht. Dann sollte man aus Draft-Sicht für das Nicht-Schedule-Team sein. Wobei das natürlich den Playoff-Chancen entgegenwirken könnte. Da muss sich der HF vielleicht mit seinem großen Bruder zusammentun, um das optimale Gleichgewicht zwischen Playoff-Chancen und Draft-Position zu finden.

  2. Verdammt und ich dachte das sei normal. 😉
    Natürlich freue ich mich über jede Niederlage der dolphins oder der Jets. Bills sind relativ egal.
    Allerdings muss ich mir sagen, dass mir der Rest der AFC dann doch relativ egal ist.
    zB ist es momentan sehr schwer momentan wirklich gehen die Broncos zu sein, weil sie einfach guten Football spielen und man Eli gerne zuschaut.
    KC mit Alex Smith zB auch.

    Auf jeden fall nochmal großes loh für den Podcast. Macht immer Spaß zuzuhören. Aber die Drops fehlen definitiv 😉
    Wieso kam bei den pats eigentlich immer der imperial March?

    @football Basics: ihr habt glaub ich mal was über die Defense erzählt, aber scho damals dachte ich mir, da konnte noch mehr sein.
    Trotz intensiven Schauens ist mir defensive Arbeit immer so ein wenig fremd geblieben.
    Und weil ihr ja angehende Pädagogen seit: wie wäre es mit einer Special Episode Football für Kinder? 😀
    Da stoße ich immer relativ schnell an meine Grenzen, weil mir dann auch noch die deutschen begrifflichkeiten fehlen.

    Maid jeden fall freu ich mich auf den nächsten Podcast.

  3. Soweit richtig, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass das praeferierte Team des HF wirkliche Chancen auf die Playoffs bzw. den Super Bowl hat. Sollte das Team dagegen im Rebuild sein und auf einen hohen Draftpick schielen, drehen sich zumindest b)-g) dahingehend um, dass die Konkurrenten um Draftpositionen eine wichtigere Rolle spielen. Der vollstaendig rationale HF muesste dann auch im Fall fuer den Gegner sein, das duerfte in freiher Wildbahn aber eher selten vorkommen 😉

    PS: Entschuldigt die Abwesenheit von Umlauten, in der Uni hat’s nur englische Tastaturen.

    • „Der vollstaendig rationale HF muesste dann auch im Fall a) fuer den Gegner sein,“

      Da hatte sich das a) versteckt

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