Regel-Ecke #15

Heute: Der nicht-Pass-Interference-Call von Montag Nacht

Kurz ein paar Zeilen von mir zum letzten Play aus dem Monday Night Spiel Panthers@Patriots.  Die Football-Welt innerhalb und außerhalb der NFL diskutiert seit  Stunden sehr heiß, ob den Pats hier vielleicht der Sieg in letzter Sekunde geklaut wurde.

Die Regel:

Zur grundsätzlichen Frage, was denn eigentlich Passbehinderung (Pass Interference) ist, verweise ich gerne auf meinen Artikel in diesem Blog, der sich genau mit diesem Thema beschäftigt.

Die Situation:

Das komplette Play und Tom Bradys Nettigkeiten gegenüber Ref Clete Blakeman (eigentlich einer der besseren seiner Zunft) können als Video angesehen werden. 

Was nun passiert ist lässt sich relativ einfach rekonstruieren: Der Back Judge wirft eine Flagge auf´s Feld, da er meint ein Foul an Gronkowski gesehen zu haben. Nachdem jedoch die verschiedenen Schiedsrichter sich kurz besprochen haben, verkündet Referee Blakeman, dass kein Foul vorgelegen habe und das Spiel somit beendet sei. Wäre das Foul ausgesprochen worden hätten die Patriots einen weiteren (vermutlich letzten) Versuch von der Panthers 1-Yard-Linie bekommen.

Das Prozedere an sich ist so (regeltechnisch) in Ordnung. Das Regelbuch sagt hierzu, dass jeder Schiedsrichter darauf hinweisen soll, wenn er eine Situation anders gesehen hat. Anschließend trifft sich die „Crew“ und berät die Entscheidung. Die letztendliche Entscheidung trifft der Referee (der mit der weißen Mütze).

Meine Einschätzung:

Ich maße mir jetzt einfach mal an, das Verhalten der Refs in einigen Punkten zu bewerten.

1. Pass Interference oder nicht?

Wie man im Gif sehen kann wird Gronk tief in der Endzone von Panthers Linebacker Luke Kuechly gehalten/umklammert usw. … Daher scheint zunächst relativ klar, dass es sich im PI handelt. ABER: Man könnte, insbesondere nach Sichtung der Fernsehbilder, durchaus argumentieren, dass der Ball „uncatchable“ also nicht fangbar war. Ist dies der Fall, also hätte der Receiver auch ohne Behinderung den Ball nicht fangen könnte, darf keine Flagge für PI geworfen werden. Dies ist wohl auch was die Refs schlussendlich entschieden haben. Eine weitere Möglichkeit die mittlerweile ins Spiel gebracht wurde ist, dass der Side Judge den Back Judge darauf hingewiesen haben könnte, dass der Regelverstoß erst nach berühren des Balles durch Panthers Safety Robert Lester (der den Ball intercepted hat) stattfand. Auch hier gilt, dass keine Flagge geworfen werden darf, wenn vor dem Regelverstoß für Pass Interference der Ball von einem anderen Spieler berührt wurde.

Nach Sichtung der Fernsehbilder plädiere ich FÜR Pass Interference (aber nicht eindeutig, eher so 60:40). Daraus resultiert auch, dass die Refs wohl deutlich weniger hätten erklären müssen, wenn keine Flagge auf dem Feld gelegen hätte. Fazit: Kann man werfen, muss man aber nicht.

Aber:

2. Wenn Flagge, dann Foul!

Was den Patrioten und auch mir jedoch sauer aufstößt ist die Tatsache, dass eine Tatsachenentscheidung anschließend wieder aufgehoben wird. Natürlich ist dies im Einklang mit dem Regelwerk der NFL möglich. Nichtsdestoweniger halte ich es für sehr fraglich, ob eine einmal getroffene Entscheidung in so einer Situation dann wieder aufgehoben werden sollte. Meine Meinung: Wenn man das gelbe Ding wirft, sollte man es auch liegen lassen!

3. Erklär’s mir doch bitte!

Wofür ich Clete Blakeman und seine Crew hauptsächlich kritisiere ist die Tatsache, dass sie den Call nicht erklärt haben. Patriots, Panthers und vor allem tausende Zuschauer im Stadion (und Millionen vor dem Fernseher) erfuhren nicht wirklich, was die Refs nun entschieden haben, außer halt:“Kein Foul!“ Dies hinterlässt einen faden Beigeschmack und erinnert doch sehr an die Zeiten unfähiger Replacement-Referees. Schade, es war doch so ein gutes Spiel!

Anmerkung: Einige Football-Fans stellten die Frage, ob es nicht vielleicht eine Flagge für Defensive-Holding gewesen sein könnte/hätte/müsste. Hierzu von mir ein klares „Nein“. Defensive-Holding kann ausschließlich verhängt werden für ein Halten BEVOR der Ball in der Luft ist, was bei diesem Play sicher nicht der Fall war. 

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12 Antworten zu “Regel-Ecke #15

  1. Bill Barnwell argumentiert in einer Kolumne bei Grantland, dass es Holding gewesen sein könnte und impliziert, dass es doch Holding geben kann, nachdem der QB den Ball geworfen hat: http://www.grantland.com/blog/the-triangle/post/_/id/83034/the-panthers-not-the-refs-beat-new-england

    Demnach ist „Illegal-Contact“ daran gebunden, dass der QB den Ball noch in der Hand hält und sich in der Pocket befindet; Holding dagegen ein generellerer Term, der nicht an den QB/Hand/Pocket gebunden ist.

  2. http://www.patspulpit.com/2013/11/19/5120832/patriots-vs-panthers-final-score-pats-lose-on-questionable-call-24-20#198455039

    2 (a) und (e) finden deutlich vor der Interception statt. Zu dem Punkt ist auch der Ball klar fangbar.

    Was das „uncatchable“ angeht.

    Article 3:
    Permissible Acts:
    (c) Contact that would normally be considered pass interference, but the pass is clearly uncatchable by the involved players.

    Sprich nicht der Receiver muss den Ball fangen können, sondern einer der beteiligten Spieler.
    Ich würde jetzt argumentieren alle drei Spieler sind involviert und der Ball wurde gefangen.
    Zumal clearly uncatchable für mich bedeuten würde Ball fliegt ins Aus oder ähnlich wie beim Intentional Grounding irgendwo hin wo niemand ist. Beides hier nicht der Fall.

  3. Die Szene wurde von CBS(?) ja auch direkt mit ihrem Regelspezialisten diskutiert. Der hat direkt im Anschluss an das Play die Entscheidung der Refs auf dem Feld bestätigt.
    Und btw die Entscheidung wurde doch, zumindest kurz auf dem Feld erläutert. Es gab kein Foul während des Spielzugs und die Flagge wurde zurückgenommen.
    Wäre der Ball in der Reichweite von Gronk gewesen, wäre der Call der Refs eindeutig PI gewesen, aber so war Gronk halt einfach nicht nahe genung am Ort des Geschehens um einen Call zu rechtfertigen.

  4. Ich bin mir auch relativ sicher, dass Def. Holding nicht mehr gecalled werden kann sobald der Ball in der Luft ist. Da ist die Regelkurzfassung auf der NFL.com Seite in dem Punkt unvollständig. Entweder PI oder keine PI.

    @peregrine: #38 ist sicher nicht involviert, dass sind nur Gronkowski und Kuechly und da muss man sagen, dass die Argumentation nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist. Weder Gronkowski noch Kuechly sind in der Lage den Ball zu spielen.

  5. @Red_7 es gibt Kontakt zwischen Lester und Gronkowski.

    Ohne Interception fällt der Ball einen Meter vor Gronkowski auf den Boden. Die Tatsache das jemand besser zum Ball steht hat nichts mit fangbar oder nicht zu tun.

    Als ähnliches Beispiel Cleveland @ Detroit aus 2009
    genau die selbe Situation.

    Da angeblich Pass Interference.

  6. @Red_7: Ich las heute Mittag auch zum ersten Mal von der Möglichkeit. Ich bin aber nicht trittsicher genug, um die eventuell existierenden Unterschiede zwischen IC und Defensive-Holding im Detail zu kennen.

    Das Problem an der ganzen Sache ist die Auslegung. Hab mich mal etwas schlau gemacht: Der Term „uncatchable“ ist im Regelbuch nicht weiter präzisiert und somit im Ermessensspielraum der Referees. In diesem Kontext, und mit der üblichen Regelinterpretation der NFL-Refs im Hinterkopf glaube ich, dass die Entscheidung im speziellen Fall Carolina – New England durchaus vertretbar ist, Flagge hin, (fehlende) Erklärung her.

  7. @peregrine: Kontakt zwischen Defender und Receiver ist auch nicht verboten. Der Kontakt darf den Receiver (oder den Defender) nur nicht über ein gewisses Maß (was im Bill Barnwell Text beschrieben wird) hinaus behindern.

    Und das CLEvsDET Video ist schon anders zu bewerten. Megatron hat die Schultern parallel zur Goalline um zum Ball zurückzukommen und Gronkowski hat die Schultern nie so weit gedreht als das er in der Lage gewesen wäre zurück zum Ball zu kommen. Nicht das wir uns falsch verstehen, ich fand die Aussage wen man die Flagge wirft, dann sollte man sie auch liegen lassen richtig (Bennis zweiter Punkt). Aber die Erklärung keine PI, weil uncatchable finde ich ebenfalls nicht falsch.
    Wie Korsa schon schreibt ist uncatchable kein genau definierter Begriff, aber ich habe meine Bedenken, dass Gronkowski selbst im Training ohne Gegenspieler den Ball noch erreichen kann, weil er einfach gegen seine Laufrichtung geworfen wird.

    • „We as officials have always been taught, for a ball to be uncatchable, it has to be clearly out of the field of play or it has to be a kind of — I probably shouldn’t say this — a Tim Tebow-type pass that lands 15 yards in front of you,“ Daopoulos said.

      „You usually see uncatchable passes down the sideline or long passes down the middle of the field. But even down the middle of the field, they don’t want it uncatchable, because these guys make up so much distance so quickly. ‚Uncatchable‘ should have never been brought in there.“

      http://www.usatoday.com/story/sports/nfl/2013/11/19/nfl-officials-feel-heat-after-controversial-calls-49ers-saints-patriots-panthers/3646043/

      Dean Blandino (der Schiedsrichterchef) redet auch nur noch davon, dass Kontakt erst zeitgleich mit der Interception stattfindet. Was kompletter Unfug ist, da durch Kuechly genug Kontakt da ist ohne dass er jemals den Ball spielt.

      Was den Kontakt durch Lester angeht, es ging mir darum, dass er unmittelbar beteiligt war. Der Kontakt per se war in Ordnung, er kuckt ja auch zum Ball.

  8. @peregrine: Ich kenne das Statement. Ich lese häufiger auch so bei Footballzebras.com Standpunkte zu bestimmten Themen nach.

    Ich halte das aber nach wie vor für eine 50-50 Situation, eben weil der Begriff uncatchable nicht genau definiert ist. Daopoulos bringt da halt seinen Standpunkt in die Diskussion ein und ich hätte einen Call zur PI auch in Ordnung gefunden, aber ich habe ein Problem damit das als klaren missed Call zu bezeichnen. Das ist auch schon alles.

    Und zum Thema „involvierte Spieler“. Da zählen nur Kuechly und Gronkowski. #38 ist für die Frage PI oder nicht PI völlig irrelevant.

    Und das Phänomen, dass sich die Liga im Zweifel vor die Schiedsrichter stellt (wie zurecht gebogen das auch immer sein mag), sollte auch aus anderen Sportarten bekannt sein, oder? 😉

  9. Könntet ihr die Illegal Man Downfield-Regel erklären. Bin jetzt schon öfter darauf gestoßen, es wurde aber nie richtig erklärt

    • In der Offense sind immer nur eine begrenzte Anzahl an Spielern eligible (berechtigt einen Ball zu Fangen und bei Vorwärtspässen vor dem Wurf mehr als 2 Yards über die Line of Scrimmage zu gehen). Das ist abhängig davon wo sie beim Snap aufgestellt worden sind.

      Berechtigt (eligible) sind alle Spieler die sich nicht direkt an der Line aufstellen und die beiden äußersten Spieler die an der Line of Scrimmage stehen.

      Die „Nichtberechtigten“ Spieler dürfen erst nachdem der Vorwärtspass gefangen wurde tiefer als 2 Yards über die Anspielline drüber sein, sonst liegt ein Illegal Man Downfield vor.

      Sowas passiert hin und wieder mal wenn ein Screenpass nicht zeitlich genau ausgeführt wird oder ein Spielzug völlig in die Hose geht (RB rennt zur falschen Seite und der QB wirft dann lieber den Ball weg, als Prügel zu kassieren, etc.)

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